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Dienst am Wort 1/2018

Fest der Erscheinung des Herrn

Lesejahr A - B - C

Unterwegs auf den Spuren der Weisen

Beitrag I zum Evangelium

Einführung

Zunächst eine Beobachtung: Im Dom zu Aachen birgt ein goldener Schrein die Reliquien Karls des Großen. Von dem weiß man, dass er ganz sicher gelebt hat, ob er allerdings wirklich heilig war, wird von Historikern stark bezweifelt. Im Dom zu Köln wird der Schrein der Heiligen Drei Könige verehrt. Bei denen ist sich die Nachwelt sicher, sie waren Heilige. Ob sie aber wirklich gelebt haben, bezweifeln nicht nur Historiker.

Man sieht, das »Fest der Heiligen Drei Könige« birgt manche Rätsel. Deshalb feiern wir das Erlebnis der Magier, Sterndeuter oder besser: Weisen aus fernen Ländern zu Recht als »Fest der Erscheinung«! Gott offenbart sich aller Welt, er sprengt die Grenzen des bislang »auserwählten Volkes« und lädt uns alle ein, ihn in unserer Mitte zu wissen und zu feiern.

Im Evangelium folgen die Weisen dem Stern, der über dem Ort stehen bleibt, an dem das göttliche Kind geboren wurde. Mit diesen Weisen fragen auch wir immer wieder: Wo ist Gott? Über welchem Ort bleibt der Stern stehen? Über unserer Gemeinde, über unserer Kirche, über unserer Familie? Das hoffen wir. Aber wir wissen auch, dass er überall hin scheint, die ganze Erde ausleuchtet bis in ihren letzten Winkel. Denn Christen in aller Welt haben ihren Weg zu ihm gefunden. Mit uns sind sie unterwegs nach Betlehem, damit Gott ankommen kann, mitten unter uns.

Kyrie-Ruf

Wir wollen den Herrn bitten, dass er unser Leben mit dem Licht seiner Gegenwart erleuchte:

Herr Jesus Christus, dein Kommen in unsere Welt will den Menschen Freude und Hoffnung schenken.

Herr, erbarme dich.

Ein Stern hat den Menschen den Weg zu dir gezeigt, sein Licht bringt uns auf die richtige Spur.

Christus erbarme dich.

Du willst auch in unserem Leben Ziel und Vollendung sein.

Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Messbuch - Fest der Erscheinung des Herrn

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung

GL 240,2-4 »Seht, ein Stern ist aufgegangen«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium

GL 635/4 »Heute erstrahlt ein Licht« mit GL 635/5,1-12 (Psalm 72) und GL 260 »Werde licht, Jerusalem«

Gesang zur Gabenbereitung

GL 251,3-4 »Sehet dies Wunder«

Gesang zur Kommunion

GL 256 »Ich steh an deiner Krippe hier«

Dankhymnus/Schlusslied

GL 262 »Seht ihr unsern Stern dort stehen«

Predigt

Zum Text: Mt 2,1-12 (Evangelium)

Eine seltsame, ja exotische Pilgerschar hat sich da auf den Weg gemacht. Sie fordert die Legendenbildung geradezu heraus. Drei Könige, Magier oder Sterndeuter? Einigen wir uns auf »die Weisen aus dem Morgenland«. Denn bis heute sind Könige selten weise und Weise selten mächtig. Diese Weisen begegnen uns auf ihrem Weg nach Betlehem.

Auf dem Weg in den Alltag

Da kommen wir - sozusagen - gerade her. Betlehem liegt hinter uns und vor uns liegt ein neues Jahr. Mit all unseren Erwartungen und Befürchtungen, mit neuen Nachrichten und unseren Alltagssorgen. Die Weihnachtschöre sind verklungen, die Christbäume nadeln schon, an Silvester haben wir den Himmel umdekoriert und die Promis haben uns zum Jahreswechsel den Weg durchs Jahr beschrieben. Von Talsohlen, die wir durchschreiten müssen, ehe wir überm Berg sein werden, sie sehen Silberstreifen am Horizont und versprechen noch mehr Wohlstand. Nicht von ungefähr heißen in unserem Land die Wirtschaftsgutachter ironischerweise »die Weisen«.

Heute begegnen wir im Evangelium also den wirklich Weisen. Nur schade, dass wir sie bald wieder aus den Augen verlieren werden wie alles, was wir in diesen Tagen gefeiert haben. Denn diese Weisen sind erfahrene Pilger, die uns manches lehren können. Sie haben Wüsten durchquert, haben Durststrecken hinter sich und haben dabei nur ein Ziel. Denn sie wissen, wonach sie suchen: den Messias. Also nach dem, der ihrem Leben Mitte und Richtung gibt. Für sie hat sich eine beschwerliche Reise gelohnt.

Aufbruch: Haben wir das Ziel vor Augen?

Aufbruch, Weggemeinschaft, das sind die Bilder der Bibel, die uns immer wieder faszinieren. Menschen, die sich aufmachen und andere dabei mitnehmen. Noah, Abraham, Moses, Josef von Ägypten, die Propheten und nun das Kind von Betlehem. Sie haben viel in Bewegung gebracht und sind doch oft mitten unter ihren Mitmenschen fremd geblieben: »Er kam in sein Eigentum, aber die Seinen hatten keinen Platz für ihn« (Johannesprolog). Nicht in Betlehem, nicht in seinem Volk, nicht einmal in seiner Heimatstadt und auch nicht in unseren Herzen. Bis heute nicht.

Die Weisen suchen einen König. Und sie suchen zunächst dort, wo man ihn am ehesten vermutet: im Palast des Herodes. Aber der ist König von Roms Gnaden, ein ängstlicher Feigling. Natürlich muss er über die Frage nach einem Nachfolger erschrecken, er fürchtet sich. Und er tut, was alle tun, die um ihre Macht fürchten: Er lügt und intrigiert.

Betlehem liegt überall

Am Ziel ihrer Pilgerschaft treffen sie auf eine Familie in erbarmungswürdigen Verhältnissen, die sich notdürftig um ihr Neugeborenes kümmert. Ein gar nicht idyllisches Bild bietet sich ihnen und wir kennen das aus unseren Zeitungen und den Fernsehnachrichten. Das Bild ist aktuell. Wir erkennen jene, die über das Meer gekommen und in Lampedusa gestrandet sind und nichts haben als ihr Leben und ihre Hoffnungen. Und da sind nur wenige Wirte, die Platz haben. Schon gar nicht die Mächtigen.

Und siehe da: Die Weisen knien nieder und beten das Kind an. Sie tun also, was wir gewöhnlich nicht tun. Weisen sie uns damit einen Weg? Den kennen wir ja eigentlich. Denn lange vor diesen Weisen sind wir bereits in Betlehem angekommen. Haben fröhlichen Kindergeburtstag gefeiert wie alle Jahre wieder und haben das Kind dann spätestens an Silvester wieder aus den Augen verloren.

Vielleicht auch, weil wir das Ende des Weges kennen und nicht akzeptieren wollen. Der Weg, der in Betlehem begonnen hat, mündet am Ende in den Kreuzweg nach Golgota. Das Kind ist den Juden fremd geblieben. Israel hat seinen Erlöser nicht erkannt. Die Hohepriester haben ihn verspottet, die Freunde ihn im Stich gelassen, die Staatsmacht hat ihn liquidiert und die Nachwelt hat mit seinem Namen Missbrauch getrieben, bis in unsere Tage. Er ist den Menschen ein Fremder geblieben. Damals erkennt erst ein Fremder in ihm Gottes Sohn. Ein römischer Offizier unter dem Kreuz.

Sternstunden unserer Erkenntnis

Und wir? Wächst nach Weihnachten auch unser Glaube mit dem Kind? Vielleicht wird man auch bei uns wieder einmal konkret nach »Gott« fragen, wenn wir uns aufmachen, den Sinn und die Mitte des Lebens zu suchen. Denn auf die Dauer lädt irgendetwas Abstraktes, ein Urprinzip nicht mehr zum Aufbruch ein, es fordert keine Rechenschaft von mir und zwingt mich auch nicht in die Knie. Das wäre eine Sternstunde, wenn wir den Weisen heute begegnen könnten. Gott offenbarte sich ihnen, den »Heiden«, also aller Welt. Er erscheint nicht nur den Menschen an der Krippe, den Eltern, den Hirten (»letzte Menschen werden erste Zeugen«!). Nicht nur das auserwählte Volk, nein, »alle Welt soll schauen Gottes Heil«! Auch wir?

Die Weisen folgen dem Stern, dem Zeichen, das Gott über ihr Leben setzt, damit sie selbst zum Zeichen werden. Sie werden Zeugnis ablegen für das, was sie gesehen haben. Sie werden neue Wege gehen, andere Wege zurück in ihre Heimat.

Der Jahresbeginn ist auch für uns immer wieder ein neuer Aufbruch. Die Weisen, die wir Könige nennen, haben Spuren gelegt, denen wir folgen sollten. Ihr Weg führt zu Gott. Wir sollten diesen Weg gehen, vielleicht auch nur in kleinen Schritten, wie Gott selbst es uns vorgemacht hat. Er hat in Betlehem ganz klein neu mit uns angefangen, wie wir alle. So können wir zum Glauben finden: learning by doing.

Kann der Weg das Ziel sein? Nein, aber ein Anfang.

Vielleicht genügt für dieses neue Jahr schon, wenn der - richtige - Weg das (vorläufige) Ziel ist. Wenn wir aufbrechen als eine Weggemeinschaft, die sich miteinander auf dem Weg weiß.

Das wünsche ich uns allen: einen guten Weg und Gottes Segen ins neue Jahr.

Fürbitten

(Vier junge Menschen - Kinder - kommen zum Altar: Stern und drei Könige.)

- Stern: Der Stern hat die Weisen zur Krippe geführt. Wir vertrauen und beten, dass er alle Menschen guten Willens auch in diesen Tagen zu Jesus führen wird. Wir laden euch alle ein, diesen Stern im Leben zu suchen und ihm zu folgen.

(Wir bitten dich, erhöre uns.)

- 1. König: Wir bringen die Krone, Zeichen von Macht und Herrschaft. Aber in der Welt leiden viele Menschen, besonders auch Kinder, unter den Mächtigen und ihren Machenschaften. Viele sind auf der Flucht. Wir vertrauen darauf, dass sich die Mächtigen besinnen und den Frieden aller Menschen suchen und dass die Flüchtlinge eine sichere Heimat finden.

(Wir bitten dich, erhöre uns.)

- 2. König: Kinder und Jugendliche schreiben an die Türen der Häuser die Segensbitte: CMB - »Christus mansionem benedicat«. Also: Christus segne dieses Haus. Dieser Segen bleibe über unserer Gemeinde und unseren Familien.

(Wir bitten dich, erhöre uns.)

- 3. König: Wir bringen Brot und Wein. Zeichen der Gegenwart Jesu, der sich uns schenkt. Es ist ein Zeichen der Güte Gottes. Wir beten, dass alle Menschen spüren, dass sie zu diesem Fest eingeladen sind.

(Wir bitten dich, erhöre uns.)

Priester: Ein Stern ist aufgegangen mitten unter uns. Gott selbst zeigt sich. Ihm gehen wir miteinander entgegen, da er uns entgegenkommt, heute und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Bernd Kaut

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