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Dienst am Wort 1/2018

Fest der Erscheinung des Herrn

Lesejahr A - B - C

Was löst heute den Aufbruch aus?

Beitrag II zum Evangelium

Vorbemerkung

Die Gottesdienstelemente sind offen für eine Mitgestaltung durch die Sternsinger (Aussendung oder Abschluss ihrer Aktion), was aber hier im Blick auf die verschiedenen örtlichen Situationen nicht ausgeführt ist.

Einführung

Unsere orthodoxen Mitchristen feiern heute Weihnachten - und haben dazu einen ebenso guten Grund. Offenkundig, offenbar, diese Worte unserer Sprache haben einen urreligiösen Grund. Das Geschehen von Betlehem bleibt keine Familiengeschichte, sondern zeigt sich, begegnet, offenbart sich, erscheint den Menschen im Suchen nach Wahrheit - den einen, den Weisen, zur Annahme, anderen, wie Herodes, zur Ablehnung.

Das Weihwasser am Eingang unserer Kirche erinnert uns an unsere Taufe, unsere Berufung, die Wahrheit Jesu zu bezeugen und in die Welt zu tragen. (Dafür steht auch der Dienst unserer Sternsinger als Boten des Segens und der Menschenfreundlichkeit Gottes.)

Kyrie-Ruf

GL 159 »Licht, das uns erschien«

Tagesgebet

Gott,

durch den Stern der Verheißung führst du die Weisen zu deinem menschgewordenen Sohn. Wie sie sind wir als Suchende, Hoffende und Zweifelnde unterwegs auf den Straßen der Erde. Wir sind auf diesem Weg immer wieder abgelenkt oder fehlgeleitet und doch angezogen von Jesus, deinem Sohn, dem Ursprung des Lebens und Anfang der Weisheit. Mit ihm wird deine Gegenwart in unserer Welt offenbar.

Wir bitten dich: Führe uns vom Suchen zum Finden, vom Glauben zur Anschauung. Führe uns durch die Anbetung deiner Gegenwart auf den Weg des Friedens

in Christus, unserem Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung

GL 241,1.3 »Nun freut euch, ihr Christen«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium

GL 245,1-2 »Menschen, die ihr wart verloren« und GL 244 »Halleluja«

Gesang zur Gabenbereitung

GL 184 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«

(ggf. in Verbindung mit der Darbringung der zeichenhaften Gaben von Gold, Weihrauch und Myrrhe sowie der eucharistischen Gaben durch die Sternsinger)

Gesang zur Kommunion

GL 256,1.4 »Ich steh an deiner Krippe hier«

Dankhymnus/Schlusslied

GL 228 »Tochter Zion, freue dich«

Zur Eröffnung, Danksagung und zum Auszug können sich die Sternsinger mit ihren Liedern einbringen.

Vorüberlegungen

Zum Text: Mt 2,1-12 (Evangelium)

Ob politisch (z. B. USA, China, Russland), technologisch, wissenschaftlich oder kulturell: Macht verbindet sich mit dem Anspruch auf Deutungshoheit. Die globale Weltgemeinschaft schafft sich Instrumente, um dadurch entstehende Spannungen aufzuarbeiten und wenn möglich zu lösen (z. B. UNO).

Der Evangelist Lukas stellt dem globalen Macht- und Deutungsanspruch von Kaiser Augustus Jesus Christus gegenüber, Matthäus dem Anspruch von König Herodes den messianischen Spross aus dem Haus David. Das wird spannend, denn Herodes wollte sich gerne auch einen religiös-messianischen Deutungsanspruch zulegen. Deshalb die aufgeregte Frage: Wo ist der neugeborene König der Juden? Der Besuch der Weisen wirkt wie ein Katalysator auf dem Weg zu einer unerwarteten Klärung, welcher Art der Anspruch Jesu ist: Das Reich Gottes ist mitten in der Welt, global, alles umfassend - hier haben die Begriffe Ökumene und katholisch ihren Ursprung -, aber nicht von dieser Welt. So sichert Jesus den Menschen inmitten der Flut alltäglicher Ansprüche auf Macht und Deutungshoheit einen Hort und Ort der Freiheit. Die Weisen leben aus dieser neu gewonnenen Freiheit. Sie ziehen auf »einem anderen Weg heim in ihr Land« - einem Weg, den Matthäus gleichsam wie die zweite Hälfte der Klammer, am Ende seines Evangeliums weitet zum Weg zu allen Völkern einer globalen Welt.

Predigt

Eine globale Welt sucht die »magische Kraft« ihres Zusammenhalts

Der Stern von Betlehem steht für die religiöse Bedeutung der Globalisierung. Das Christentum ist die erste globale Religion. Das frühe Christentum gebraucht dafür zwei Worte, die durch die Geschichte hindurch verschiedene Deutungen erfahren haben, heute aber mit ihrem ursprünglichen Sinn bedeutsam sind:

Das Geschehen von Betlehem bleibt nicht hängen am Stammtisch der Hirten von Betlehem, die Botschaft von Jesus Christus blieb keine Provinznachricht, sondern verbreitete sich in der nach damaligem Bewusstsein ganzen bewohnten, zivilisierten Welt - dafür steht das Wort Ökumene. Und diese Botschaft vermag sich in allen Sprachen zu artikulieren, in allen Kulturen einzufinden; weltumfassend, allesumgreifend - das heißt ursprünglich katholisch.

In der profanen Sprache und im politisch-gesellschaftlichen Bereich gilt heute Chancengerechtigkeit als globales Markenzeichen. Genau dies formuliert Paulus als Quintessenz des christlichen Glaubens: Gott will, dass allen Menschen geholfen wird und sie zur Erkenntnis der Wahrheit gelangen. Alle Menschen sollen also teilhaben können an dem, was das Leben gelingen lässt: Glaube, Liebe, Hoffnung, Gerechtigkeit, Bildung, Frieden und Teilhabe am wirtschaftlichen Leben und seinem Ertrag. In den globalen Entwicklungen bis hin zu den Menschenrechten und dem Sozialstaat steckt das Geschehen von Betlehem - keine tollkühne Behauptung, wenn wir dem Evangelium zu diesem Fest folgen.

Die Weisheit der Welt verkörpert sich in den Sterndeutern aus dem damals orientalischen Osten, heute in etwa mit Iran und Irak zu lokalisieren. Sie unternehmen als Wahrheitssucher eine wahrhaft abenteuerliche Reise. Das Wissen ihrer Zeit drückt sich aus in dem, was sie von den Sternen wissen. Heute würde man in der Hierarchie des Ansehens von Wissen zum Beispiel die digitale Kommunikation an der Spitze erwarten. Weit weg von uns sind die Sterndeuter nicht, wenn ich mich erinnere, welch große Thesen formuliert und Erwartungen geweckt wurden mit der Landung der ersten Menschen auf dem Mond. Inzwischen haben sich die Erwartungen schon wieder deutlich verändert - ein etwas nüchterner Alltag der Raumfahrt ist eingekehrt, die Gewöhnung an Marssonden, mit kurzen Unterbrechungen durch neueste Erkenntnisse etwa über die Entwicklung des Universums oder des Aufbaus der Materie.

Es bleibt die Frage, was die damals und die heute Wissenden suchen, welchen Horizont sie für den Umgang mit dem Wissen suchen müssen. Damals suchten sie Jerusalem auf, um weiterzukommen. Heute würden sie andere Zentren der Macht und des Wissens aufsuchen, die Vereinten Nationen in New York, das Weiße Haus in Washington, den Kreml in Moskau, das Zentralkomitee des chinesischen Kommunismus, die Institutionen Europas in Brüssel oder Oslo, wo die Nobelpreise vergeben werden.

Sie begegnet so der Frage nach Gott ...

Wo ist der neugeborene König der Juden? - So würden sie heute wohl nicht fragen, aber nicht weit weg davon: Wo ist der Grund des Zusammenhangs der Welt in der Spannung zwischen dem, was die Menschen immer mehr einander näherbringt, und dem, was sie auseinander- und gegeneinander treibt? Es ist die Frage nach Gott, die sich stellt - und es gibt doch etliche Größen des Wissens, die es auch mutig und offen aussprechen. Die Sterndeuter lassen sich diese Frage nicht nehmen und sich nicht manipulieren, als sie merken, dass sie instrumentalisiert werden sollen für andere Absichten.

Das ist die Größe des Wissens in der Selbstbegrenzung - nämlich der Weisheit, in dieser Selbstbegrenzung des Wissens sich der Frage nach Gott zu stellen. Sie findet im Evangelium Ausdruck in schlichter Konzentration: Da fielen sie nieder und huldigten ihm. Es ist die Huldigung, die in der griechischen Sprache des Neuen Testaments Proskynese heißt: die in den antiken Kulturen höchste menschliche Ausdrucksform der Verehrung.

Das Erscheinungsfest trägt in das Wissen unserer Zeit die Frage nach Gott. Und wen bringt heute diese Frage auf die Beine, auf zur großen Lebensreise? Was löst den Aufbruch aus? Ohne inneren Antrieb, ohne das in der oft so verdeckten, anonymen Frage nach Gott schon wirksame Licht würde auch ein noch so glanzvoller Stern nichts nützen. Wir sind sehr mobil, auf Reisen, haben aber keinen Kompass, fragen hier, fragen dort. Es gibt Abbrüche des Weges, der mit dem Startkapital des Glaubens in der Erziehung begonnen hat. Es gibt Umleitungen, Suchen und Probieren, Erkunden aus skeptischem Abstand, emotionale Ausleihen bei der Esoterik. Wer sich in den Buchregalen großer Buchhandlungen umschaut, findet viel Suchen - aber was ist mit dem wegweisenden Stern?

... und findet in Jesus Christus den »anderen Weg« in unsere Welt

Er ist da - unter uns. Diese Erfahrung hat Edith Stein gemacht. 1891 in einer jüdischen Familie geboren, atheistisch aufgewachsen, fand sie auf einem langen Weg wissenshungrigen Suchens zum christlichen Glauben, wurde katholisch und wurde wegen beider Wurzeln, ihrer jüdischen Herkunft und ihres katholischen Glaubens, im Konzentrationslager ermordet. Die Pflege der Anbetung in der Gemeinschaft der Karmelitinnen hat ihr Suchen nicht beendet, sondern lebendig erhalten. So ist auch der Ort der Anbetung, den Jesus mit seinem Vermächtnis gestiftet hat in der Eucharistie, Ort der Einkehr und des Aufbruchs: Die Weisen bleiben ja nicht erstarrt an der Krippe stehen, sondern sie wenden sich wieder ihrer Welt zu. Wie die Weisen ihr Gehäuse verlassen haben, so sind Wissen und Technik unserer Zeit kein Hindernis, sondern Antrieb, sich des Grundes des Zusammenhalts einer globalen Welt bewusst zu werden aus der Zusage, die seit dem Alten Testament die Lebensreisen begleitet: Wenn ihr mit ganzem Herzen nach mir sucht, lass ich mich finden.

Die Sterndeuter brechen wieder auf Richtung Heimat - aber auf einem anderen Weg. Aus Wissenden sind Weise geworden, wie wir sie allzu gewohnt nennen. Deshalb sagen sie uns: Anbetung ist keine vertane Zeit, sie kommt uns vielmehr zugute in der Fähigkeit, in der Bereitschaft, in der Chance, dass unser Leben an Perspektive, Zuversicht, Hoffnungskraft - und schöpferischer Freude gewinnt. Denn: »Sie wurden mit großer Freude erfüllt.«

Die malerischen Gestalten, die Sternsinger, die heute ausgesandt werden (die in unserer Gemeinde unterwegs sind/waren), sind also nicht bloß ein wenig religiöse Folklore , die eben zur Weihnachtszeit gehört, sondern sie üben zeichenhaft und beispielhaft ein, weise Botschafter für unsere globale Welt zu sein (dieses Jahr schwerpunktweise für die Kinder in Indien). Sie laden uns ein, mitzugehen, mitzusuchen, einzukehren: »Kommt, lasset uns anbeten den König den Herrn«, und aufzubrechen, auf einem anderen Weg von Weihnachten zurück, in unser Land, unsere Welt zu ziehen.

Fürbitten

Gott, wie die Sterndeuter sind wir heute unterwegs und suchen nach der Wahrheit, die die Menschen zusammenführt. In deinem Sohn offenbarst du den Weg zu einem erfüllten Menschsein. Wir bitten dich:

- Technik, Wirtschaft und Verkehr verbindet die Menschen weltweit - und doch sind wir im Herzen oft einander so fern. Führe uns durch den Stern deiner Weisheit zueinander. (Geh mit uns auf unserem Weg.)

- Forschung und Wissen erschließen uns den Reichtum der Schöpfung. Führe uns, damit wir diesen Reichtum miteinander teilen und umsetzen in der Bewahrung und Gestaltung einer lebensträchtigen Erde.

- Krisen und Enttäuschungen in mitmenschlichen Beziehungen machen Menschen halt- und ziellos und anfällig für Irrwege. Lass uns erkennen, wo wir füreinander Stern der Hoffnung und Liebe sein können.

- Menschen werden heute in diese Welt hineingeboren und brauchen den Stern der Verheißung für ihre Menschwerdung - andere gehen heute durch den Tod aus unserer Welt und brauchen den Stern der Verheißung zu ihrem Ziel. Für sie bitten wir.

Stern über Betlehem, zeig uns den Weg zu Frieden und Gerechtigkeit. Führ uns den Weg. Dir sei die Ehre, heute und alle Tage. Amen.

Robert Widmann

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