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Dienst am Wort 1/2018

Fest der Taufe des Herrn

Lesejahr B

Gottes neuer Anfang in Jesus Christus: Das ist der neue Anfang, die neue Hoffnung, der neue Weg für uns

Beitrag zum Evangelium

Einführung und Empfang des geweihten Wassers

Wir begehen den Festtag der Taufe Jesu. Damit klingt die weihnachtliche Festzeit aus. Noch einmal wird uns Jesus Christus vorgestellt als der Erwählte Gottes. In ihm hat Gott einen neuen Anfang gesetzt. Und das wird zu einem neuen Anfang auch für uns, wenn wir uns auf Jesus Christus einlassen und auf seine Seite treten.

Dass wir zu Jesus Christus gehören, ist durch unsere Taufe wahr geworden. Durch sie ist das Neue, das in Jesus Christus beginnt, bei uns angekommen. In der Taufe ist auch über uns der Himmel geöffnet! Uns gilt die Stimme Gottes: »Du bist mein geliebter Sohn! Du bist meine geliebte Tochter!«

Wir bekennen uns darum heute zu unserer Taufe: Wir lassen uns die neue Hoffnung zusprechen und empfangen das geweihte Wasser als Zeichen der Leben spendenden Kraft Gottes.

GL 491 »Ich bin getauft und Gott geweiht« (zur Austeilung des Weihwassers)

Kyrie-Ruf

Jesus Christus, du kamst in der Kraft Gottes.

Herr, erbarme dich.

Du bist das Zeichen der liebenden Zuwendung Gottes.

Christus, erbarme dich.

Durch dich wird die Trennung zwischen Himmel und Erde aufgehoben.

Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Guter Gott,

bei der Taufe Jesu am Jordan hast du deinen Sohn beglaubigt und bezeugt. Uns hast du bei unserer Taufe als deine Söhne und deine Töchter angenommen.

Lass uns aus diesem Geschenk deiner Zusage und deiner Treue leben.

Darum bitten wir dich durch Christus, unseren Bruder und Herrn.

Liedvorschläge

Gesang zur Einführung

GL 247,1.4 »Lobt Gott, ihr Christen« bzw.

GL 491 »Ich bin getauft« - als Lied zur Austeilung des Weihwassers

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium

GL 263 »Seht, unser König kommt« mit Versen aus Psalm 29 oder

GL 427,2 »Bei dir, Herr, ist des Lebens Quell« und

GL 174/4 »Halleluja« mit Vers

Gesang zur Gabenbereitung

GL 485 »O Jesu Christe, wahres Licht«

Gesang zur Kommunion

429,1-2.5 »Gott wohnt in einem Lichte«

Dankhymnus/Schlusslied

GL 251,1-2.7 »Jauchzet, ihr Himmel«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 1,7-11 (Evangelium)

Diese Perikope führt uns an den Beginn des öffentlichen Wirkens Jesu. Dem nackt geborenen Kind von Betlehem in den Kindheitsgeschichten bei Matthäus und Lukas entspricht hier der nackte Erwachsene Jesus, der sich bei der Taufe in den Fluten des Jordan untertauchen lässt.

In zwei Abschnitte gliedert sich diese Perikope: Die Ankündigung des Kommenden (Mk 1,7-8) sowie die Taufe und Sendung Jesu (Mk 1,9-11). Jesu besondere Bedeutung wird verdeutlicht mit der Gegenüberstellung von Wassertaufe (Johannes) und Geisttaufe (Jesus).

Jesus selbst hat bei seiner Taufe eine überwältigende Gotteserfahrung: Der Himmel öffnet sich, der Heilige Geist kommt wie eine Taube auf ihn herab, er hört die Stimme Gottes. Damit wird seine Ausrüstung für das messianische Amt beschrieben.

»Du bist mein geliebter Sohn« - dieses Gotteswort drückt seine Berufung aus. Es spricht an auf Jesaja 42,1 - das erste Lied vom Gottesknecht. Das handelt von seiner Sendung, für Recht und Gerechtigkeit einzutreten. Und es spricht an auf Psalm 2,7 - das Wort bei der Proklamation eines neuen Königs. Damit ist sowohl die königliche Hoheit des Kommenden benannt als auch die Rolle des Gottesknechtes, der den kleinen, niedrigen Weg des Dienstes am Heil der Menschen wählt.

Der offene Himmel ist ein Geschenk auch für uns. Gott hat seinen neuen Anfang gesetzt. Und das ist Einladung und Herausforderung: aus Gottes Neuanfang Kraft zu schöpfen, mit neuer Hoffnung und Begeisterung unser Leben neu zu gestalten.

Predigt

Die vergeblichen Neuanfänge

Wir sind ins neue Jahr eingetreten. Ich habe mir etliches vorgenommen, ein kleiner neuer Anfang sozusagen. Eine Liste habe ich erstellt: Was jetzt endlich dran ist und was nicht länger aufgeschoben werden soll. Und ich will ein paar alte Untugenden ausräumen. Hehre Ziele! Aber werde ich das schaffen? Wird nicht doch bald wieder der alte Trott gewinnen?

Und im politischen Raum ist es gerade so ähnlich: Eine neue Regierung wird gebildet. Ein neuer Start, neue Hoffnungen, neue Ziele. Aber dann sind da womöglich doch bald wieder die alten Politikerfloskeln, der Kampf der unterschiedlichen Interessensgruppen und Lobbyisten. Ein neuer Anfang - und doch das alte Spiel?

Es ist gar nicht so leicht für uns, die eingefahrenen Bahnen zu verlassen. Sind denn alle Neuanfänge zum Scheitern verurteilt? Nichts Neues unter der Sonne?

Das wirklich Neue - bei der Taufe Jesu am Jordan

Auch im heutigen Evangelium - ganz am Anfang der Frohbotschaft nach Markus - beginnt etwas Neues: Jesus tritt seinen Weg in der Öffentlichkeit an. Er reiht sich ein in die Schar der Büßer bei Johannes dem Täufer. Er hört dessen Predigt vom zornig-gerechten Gott. Er hört seine Herausforderung, die alten Wege zu verlassen, neue Pfade zu betreten. Das klingt nach mehr Anstrengung, nach hoher moralischer Ernsthaftigkeit. Doch ist das schon der neue Anfang?

Nein, sagt uns das Evangelium heute! Das Neue kommt nicht durch das gesteigerte Abstrampeln der Büßer! Das Neue kommt von Gott her! Das Neue ist ein Gottesgeschenk! Gott selbst ergreift die Initiative. Er schenkt der Welt und den Menschen eine neue Hoffnung.

Und dieser Neuanfang hat einen Namen: Jesus von Nazaret in Galiläa. Zu ihm bekennt sich Gott! Über ihm geht der Himmel auf! Gottes Geist kommt auf ihn herab - dargestellt in der Leichtigkeit der Taube. Über ihm spricht die Stimme Gottes das große Offenbarungswort: »Du bist mein geliebter Sohn.« In einem ganzen Bündel jüdischer Hoffnungsbilder beschreibt das Evangelium Jesus Christus: Er ist der Königssohn aus dem Haus David, der Ersehnte. Er ist der wahre Gottesknecht, dazu gesandt, Frieden und Gerechtigkeit zu schaffen. Er ist der endzeitliche Messias, der Heil und Erbarmen bringt. In ihm wird Gott sichtbar, greifbar und zugänglich.

Jesus empfängt seine Sendung und Beauftragung demütig und stillschweigend. Da geht ein neues Licht auf! Und wie am Anfang über Jesus das Gotteswort gesprochen ist: »Du bist mein geliebter Sohn«, so wird am Ende, in der Stunde von Jesu Tod der römische Hauptmann, stellvertretend für die Völker der Erde, bekennen: »Wahrhaft, dieser Mensch war Gottes Sohn.« Das ist wie eine große Klammer um das Ganze des Evangeliums! Und das ist der neue Anfang! Wirklich neu und hoffnungsvoll! Gottgeschenkt!

Dieser neue Anfang hat Wirkung

Dieser neue Anfang Gottes in Jesus Christus will unserer Welt eine neue Zukunft eröffnen. Eine neue Chance! Und das Neue kann auch bei uns wahr werden, wenn wir uns vom Kraftfeld dieses gottgeschenkten Anfangs erfassen lassen. Wenn wir uns in Jesu Christi Einflussbereich stellen, unter seinen geöffneten Himmel. Wenn wir uns seinem Geist öffnen!

In den Einflussbereich Jesu Christi und unter den offenen Himmel sind wir ja schon getreten bei unserer Taufe. Da haben wir die Zusage Gottes erhalten: »Du bist mein geliebter Sohn, meine geliebte Tochter!« Da ist das Neue schon in unser Leben getreten, bei den meisten von uns schon in Kindheitstagen. Ist da der Neuanfang Gottes bei uns noch frisch und lebendig? Oder bedarf er nicht dringend der Auffrischung? Dass er neue Kraft entwickeln kann?

Ergreifen wir doch ganz bewusst die Chance und setzen ein Zeichen, dass der Kraftstrom des Neuanfangs zu uns herüberfließt! Das kann schon damit beginnen, dass wir uns bewusst auf unseren Tauftag besinnen. Die Wenigsten von uns haben ihn wohl parat. Geben wir dem Tauftag doch in unserem Lebensrhythmus einen verlässlichen Platz! Eine Feier daheim, ein Besuch in der (Tauf-)Kirche.

Und sooft wir unsere Kirche betreten: Nehmen wir ganz bedacht vom Weihwasser und empfangen wir den Zuspruch Gottes - in unserem Herzen! Und wenn wir bald auf Ostern zugehen: Bereiten wir uns ganz bewusst auf die Erneuerung unseres Glaubens in der Auferstehungsfeier vor! Dann wird in uns etwas neu!

Das wird an uns nicht wirkungslos vorübergehen: Unter dem Einfluss des neuen Anfangs Gottes kann es geschehen, dass wir uns trotz der Misserfolge in unserem Leben doch immer wieder aufrappeln, mit Mut und Tapferkeit! Dann kann es sein, dass wir auch weiterhin unter den dunklen Stimmungen um uns herum leiden, aber wir lassen uns von ihnen nicht beherrschen. Wir werden weiterhin Enttäuschungen erleben, aber das macht uns nicht bitter.

Und wir werden auch nicht ständig nur um uns selbst kreisen. Es gibt ein neues Aufbrechen und Aufstehen: Der Geist, der von Jesus Christus ausgeht, lässt uns nämlich mit ihm zusammen auf die Seite der Schwächeren und Kleinen treten. Und der Geist Jesu gibt uns dann die Kraft, die Last derer mitzutragen, denen wir begegnen und die dabei zu unseren Nächsten werden.

Und auch dazu können wir neue Kraft empfangen: dass wir uns ins politische, gesellschaftliche Leben einbringen. Und das hat unsere Zeit und unser Land nötig! Dass wir uns nicht zurückziehen auf die Rolle der bequemen Beobachter vom Fernsehsessel aus, und auch nicht auf die Rolle der Nörgler und Miesmacher! Dass wir vielmehr bereit werden, uns mit den manchmal schwierigen Fragen des gesellschaftlichen Lebens auseinanderzusetzen, das Gespräch zu suchen, unser Urteil gewissenhaft zu bilden und uns dann auch zu Wort zu melden! Das ist der neue Anfang im Gefolge Jesu Christi: dass wir Farbe bekennen, auch wenn das Kraft kostet. Dass wir uns mit aller Macht gegen die Unheilspropheten wenden, die nur lähmen und die Hoffnung auslöschen wollen.

Gott hat in Jesus Christus einen neuen Anfang gesetzt. Das ist Grund unserer Hoffnung. Das ist unsere Chance. Ein neuer Beginn!

Jedenfalls brauchen wir nicht in Angst und Sorge und schon innerlich gelähmt in das Jahr 2018 zu gehen. Wir finden den Mut und die Kraft, dieses Jahr neu werden zu lassen. Ja, es zu einem wirklich neuen Jahr zu machen, zu einem Jahr des Herrn.

Fürbitten

Ewiger, guter Gott, in deinem Sohn bist du an unsere Seite getreten. Sein Kommen hat uns neue Hoffnung geschenkt. Deshalb bringen wir unsere Bitten voll Vertrauen vor dich:

- Du überlässt deine Welt und uns Menschen nicht der Hoffnungslosigkeit: Lass uns in dieser Welt Pioniere und Botschafter neuer Lebensfreude und Hoffnung sein.

- Du bist in Jesus Christus an unsere Seite getreten. Durch ihn ist der Himmel auch für uns offen: Schenke denen, die im Dienst der Verkündigung und Seelsorge stehen, die Kraft, zündend und ermutigend von der Frohbotschaft des Glaubens zu sprechen.

- Du gehst mit uns in das neue Jahr: Sei bei denen, die mit großer Angst dem ungewissen Morgen entgegengehen.

- Auch den Menschen, die in politischer Verantwortung stehen, fehlt manchmal das Vertrauen, dass sich neue Lösungen und Wege ergeben können: Stecke sie an mit der Kraft deines Geistes und lass sie unverdrossen dem Frieden dienen.

- Wir wissen um Menschen, die an Gräbern stehen, voller Trauer und auch mit Verzweiflung: Schenke du ihnen Begegnungen, die sie trösten und aufrichten.

Guter Gott, in deinem Sohn bist du uns entgegengekommen. Wir vertrauen auf deine Nähe. Wir loben und preisen dich dafür, heute und in alle Ewigkeit. Amen.

Wolfgang Schrenk

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