Zum Artikel

Bitte geben Sie zur Anzeige des gewählten Artikels Ihren Benutzernamen und Passwort ein.

Dienst am Wort 1/2018

Fest der Taufe des Herrn

Lesejahr B

Gott bleibt dem Menschen nahe

Beitrag zur Lesung

Einführung

In der Erinnerung an das Leben Jesu ist mit dem heutigen Sonntag ein großer Zeitsprung gemacht. Von den Begebnissen um seine Geburt bis zu seinem Alter von etwa 30 Jahren. Mit der Taufe durch Täufer Johannes beginnt sein öffentliches Wirken.

Predigt

Zum Text: Jes 42,1-7 (1. Lesung)

Zwei Teile

Zwei Teile sind es, welche die heutige Lesung aus dem Prophetenbuch Jesaja prägen: erstens eine Verkündigung an die Völker und an Israel. Durch dessen Prophet wird ja das Wort des einzigen Gottes Jahwe verkündet. Aber zweitens auch eine nicht beim Namen genannte Gestalt, Jahwes Knecht, wird angesprochen. Jahwes Knecht, wer kann da gemeint sein?

Die Zeit

Schauen wir zuerst auf die Zeit, in der hier Gott durch einen Propheten spricht. Die führenden Schichten Israels sind in der Babylonischen Gefangenschaft. Das neubabylonische Reich war in einer für die damalige Zeit ungekannten Aggressivität über die benachbarten Völker hergefallen. So auch über das Königreich Israel. Im Jahr 587 v. Chr. ist Jerusalem nach langer Belagerung gefallen und die Führungsschicht des Volkes wurde nach Babylon verschleppt. Das Projekt Bundesvolk Gottes schien gescheitert.

Gott bleibt der nahe Gott

Aber Gott blieb seinem Bundesvolk Israel gegenüber in dieser schweren Depression nicht fern und er blieb nicht stumm. Jeremia, Ezechiel und ein namenloser Prophet, den man Deuterojesaja nennt, sind Sprachrohre Gottes. Von Letzterem ist der heutige Lesungstext. Israel erlebt, dass Gott auch jetzt, in scheinbar aussichtsloser Situation, spricht. Aber das Hören und Wahrnehmen, offen zu sein für sein Wort auch im Elend und der Depression, das bleibt den Israeliten im Exil nicht erspart. Wie das überhaupt den Menschen zu keiner Zeit erspart bleibt, auch in schweren Zeiten, ob persönlich oder gemeinschaftlich, sich auf Gott auszurichten.

Der Knecht Gottes

Der Prophet redet im Auftrag Gottes von einem Knecht, einem Berufenen, einem Auserwählten. Gott hat seinen Geist auf ihn gelegt. Aber dieser Erwählte ist, wie wir heute sagen würden, ein stiller Typ. Das öffentliche Geschrei ist ihm fern. Sich demonstrativ in der Öffentlichkeit zu präsentieren, ist nicht sein Lebensstil. Aber er hat eine ungeheuerliche Aufgabe übernommen - er bringt den Völkern das Recht. Recht - hat die Sehnsucht danach jemals unter den Menschen gefehlt, gleichgültig in welcher Epoche und in welchen Umständen? Recht, haben die Menschen nicht zu allen Zeiten ein tiefes und innerliches Gespür gehabt, wenn Grundrechte des Menschen schwerwiegend verletzt sind? Recht bzw. richtig, verstanden nicht nur im Sinne von Verteilung, sondern auch von Einstellung und Verhalten gegenüber den anderen und gegenüber Gott. Bei diesem Erwählten, von dem der Prophet zu den Israeliten spricht, kommen die sogenannten Kleinen, die mit sich und ihrer Existenz Ringenden, nicht unter die Räder. Eine solche Verkündigung soll realistische Hoffnung wecken, sie soll aufmuntern und trösten. Sie soll etwas vorbereiten und aufscheinen lassen. Sie soll einen neuen Weg Gottes mit seinem Volk, aber auch mit der Welt vorzeichnen durch eine Gestalt, durch einen Boten, der mit dem Auftrag und Geist Gottes ausgestattet ist.

Es ist schon interessant, dass bis in die Wahlkämpfe unserer Zeit das Stichwort Gerechtigkeit eine Rolle spielt.

Charakteristik des ›Knechtes‹

Im zweiten Teil des Lesungstextes wird dieser Gesandte, dieser Knecht Gottes, direkt angesprochen. Er soll der Bund für das Volk Israel sein und den Völkern Licht bringen. Bund sein, was kann das heißen? Jemand, der etwas vermittelt zum Beispiel. Jemand, der verbindend zwischen Gott und seinem Volk steht. Einer, der zusammenfügt, wo sich die Menschen von Gott getrennt hatten. Einer, der heilt, was in den Menschen krank und innerlich zerrissen ist. Vor allem einer, der das nahe Verhältnis wieder knüpft, das Gott mit dem Volk Israel eingegangen war.

Die Identifikation

Die Apostel, die Jünger und die ersten Christen haben in dieser Gestalt des Gottesknechtes, wie das Buch Jesaja sie zeichnet, Jesus erkannt. Denn es gibt ja Identifikationsmerkmale, die den Verheißenen und von Gott Gerufenen unverwechselbar machen. Niemand anderer erweist sich so mit Gott verbunden wie Jesus. Niemand anderer lebt so wie ein Licht aus der Sphäre Gottes wie er. Und niemand anderer vermittelt handgreiflich und unermüdlich die Liebe und Güte, die von Gott für die Menschen ausgeht, wie er. Und selbst alle neuerlichen, selbstherrlichen und selbstsüchtigen Trennungsversuche durch Jesu Zeitgenossen bringen ihn, den Gesandten, nicht vom Weg des Gottesknechtes ab, koste es selbst sein Leben.

Mit der Taufe durch Johannes den Täufer am Jordan wird Jesus selbst und wird den Übrigen von Gott kundgetan, dass er nicht nur Gottes Knecht, Gottes Gesandter, sondern Gottes Sohn ist.

Für die Woche

Über zwei Dinge lohnt es sich, die kommende Woche nachzudenken: Was sind für mich die wichtigen Identifikationsmerkmale der Person Jesu? Und welche dieser Identifikationsmerkmale sollte man an den Christen und an mir wahrnehmen?

Fürbitten

Herr unser Gott, viele Menschen haben fröhlich das neue Jahr begrüßt und erhoffen viel Gutes für sich und die Ihren. Doch die Nöte der Menschen, die Gewalt und Friedlosigkeit in der Welt sind auch dem neuen Jahr mitgegeben. Darum bitten wir:

- Lass uns erfahren, dass du in allen frohen und auch schweren Stunden des Lebens bei uns bist. Gott, unser Vater: (Wir bitten dich, erhöre uns.)

- Erfülle uns mit dem Geist des Friedens und der Bereitschaft zur Versöhnung, wo wir leben und arbeiten. Gott, unser Vater:

- Bewege du die Herzen der Mächtigen in den Krisengebieten der Welt, nicht für das eigene Wohl, sondern das ihrer Mitbürger zu wirken. Gott, unser Vater:

- Schenke uns Zuversicht, dass unser Glaube auch heute etwas in der Welt bewegen kann wie im Anfang der christlichen Gemeinden. Gott, unser Vater:

- Schenke unseren Mitbürgern, dass sie dich wahrnehmen in ihrem Leben und auf dein Rufen hören und antworten. Gott, unser Vater:

Auch dieses Jahr führt uns näher zu dir auf Wegen, die wir noch nicht kennen. Dir danken wir und dich preisen wir heute und bis in Ewigkeit. Amen.

Johannes Jeran SJ

Zurück | Nach oben