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Dienst am Wort 1/2018

Zweiter Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

Missionarische Kirche?

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Wie es mit der Kirche weitergeht, war zu allen Zeiten die Frage. Und weil es letztlich Gottes Geheimnis bleibt, wie Menschen zum Glauben kommen, ist die Zukunft der Kirche von uns Menschen auch nicht absehbar oder planbar. Sicher ist: Solange das Evangelium verkündet und gelebt wird und solange Menschen zum Lob Gottes, also zum Gottesdienst zusammenkommen, und solange Gott Menschen ruft und ihr Herz öffnet, »geht Kirche weiter« (im doppelten Sinn) - um der Menschen willen.

Wir danken Gott, dass er uns - zumal jetzt in dieser Stunde - nahe sein will. »Rede, Herr, deine Gemeinde hört!« (nach 1 Sam 3,9f - 1. Lesung!).

Kyrie-Ruf

GL 163,7 »Herr Jesus, du rufst die Menschen, dir zu folgen« oder

GL 161 »Du rufst uns, Herr, trotz unsrer Schuld«

Tagesgebet

Gott, unser Vater,

wir fassen dich nicht - aber du begegnest uns in deinem Sohn Jesus Christus.

Öffne unsere Ohren und Herzen, damit wir sein Wort hören und seiner Einladung folgen, um bei ihm zu wohnen. So finden wir Rast und Stärkung auf dem Weg zu dir -

durch ihn, unseren Bruder und Herrn, der mit dir lebt in der Gemeinschaft des Heiligen Geistes, jetzt und in Ewigkeit.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung

GL 146 »Du rufst uns, Herr, an deinen Tisch«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium

GL 312/7 »Herr, du hast Worte ewigen Lebens« mit

GL 41/2,1.4.9-10.11-12 (Psalm 40) und GL 175/6 »Halleluja«

Gesang zur Gabenbereitung

GL 485,1-4 »O Jesu Christe, wahres Licht«

Gesang zur Kommunion

GL 357,1.3-4 »Wie schön leuchtet der Morgenstern« oder

GL 362 »Jesus Christ, you are my life«

Dankhymnus/Schlusslied

GL 357,6-7 »Stimmt die Saiten der Kitara«

Vorüberlegungen

Zum Text: Joh 1,35-42 (Evangelium)

Wie gewinnt man einen Menschen für den Glauben an Christus? Oder vorher noch: Wie kommt überhaupt ein Mensch zum Glauben? Es ist die alte und immer neu aktuelle Grundfrage aller Verkündigung und Pastoral. Im vorliegenden Evangelienabschnitt sind fast in einer »Mustersammlung« die verschiedensten Motive vorgeführt, wie Menschen zum Glauben an Jesus kommen:

Die zwei Jünger hören das Wort des Johannes und folgen aus eigenem Antrieb Jesus (1); die beiden (einer ist Andreas) werden von Jesus gefragt, was sie suchen (2); sie fragen, wo er »wohnt« (3); sie werden von Jesus eingeladen »Kommt und seht!« (4); sie »bleiben« bei ihm (5); Jesus »blickt Petrus an« und gibt ihm einen neuen Namen (6). Durchgängig fällt auf, dass da keinerlei »Werbung« oder »Missionierung« im engen Sinn stattfindet. Menschen gehen einem Hinweis nach, fragen, sehen, bleiben, erfahren Begegnung und schließlich »Berufung«.

Am Schluss des Matthäusevangeliums (»Matthäi am Letzten!«) wird es heißen: »Geht zu allen Völkern und macht alle Menschen zu meinen Jüngern« - ein anspruchsvoller Auftrag. Die Kirche ist immer »auf Sendung«, um Menschen für Christus zu gewinnen. Die Geschichte von der Jüngerberufung hilft, klaren Blick zu behalten, wie »Mission« überhaupt gehen kann und wie es dazu kommen kann, dass Menschen zum Glauben finden.

Predigt

Jemand für den Glauben gewinnen?

Wie kann man Menschen für den Glauben gewinnen? Eine Frage, die sich heute in neuer Dringlichkeit stellt. Seit die Berliner Mauer fiel, aber inzwischen auch im Westen sind wir in unserem Land mehr und mehr mit der Realität konfrontiert, dass ganze Regionen entkirchlicht sind. Und wer sich damals nach dem Mauerfall Hoffnungen gemacht hatte, dass es eine Sympathiebewegung hin zur Kirche geben wird - da sie doch eine wichtige Rolle als Hort und Ausgangspunkt der Freiheitsbewegung gespielt hatte -, war schnell eines anderen belehrt. Die Kirche im Osten ist heute kleiner denn je, und auch im Westen nimmt die Konfessionslosigkeit zu.

Missionarische Kirche werden!

Wir müssen mehr missionarische Kirche werden!, wird seit Jahren auf Diözesansynoden und Pastoraltagungen proklamiert. Und schon vom Konzilstheologen Karl Rahner stammt das aufreizende Wort: Als Christ sollte ich in meinem Leben wenigstens einen Menschen für den Glauben gewonnen haben! Auch als Pfarrer bin ich mir gar nicht sicher, ob ich das je von mir sagen kann. Es macht mich schon nachdenklich, dass wir als Kirche und Gemeinde offensichtlich kaum jemanden von den Menschen, die aus der früheren DDR kamen, bewegen konnten, sich uns anzuschließen. Strahlt da so wenig aus, das motivieren könnte? Aber noch direkter stellt sich diese Frage ja mitten unter uns, in unseren Familien - wenn Eltern sich fragen, welchen Weg ihre Kinder gehen. Ja, wie stellen wir es an, dass Menschen, zumal junge Menschen, im Glauben Wurzeln schlagen? Wie können wir missionarische Kirche sein?

... damit die Kirchen »voller« werden?

Vor dieser Frage steht aber zuerst eine andere - die nach unserem Motiv. Warum wollen wir andere für den Glauben gewinnen? Nur der blanken Selbsterhaltung oder Selbstbestätigung wegen? Der Pfarrer will natürlich, dass seine Kirche »voll« ist. Die Gemeindeverantwortlichen wollen, dass die Gemeinde floriert und anziehend ist. Die Kirche will »Nachwuchs«, um ihren Bestand zu sichern ... Ist es das?

Oder warum möchten Eltern ihren Kindern den Glauben nahebringen? Weil es sich so gehört? Weil sie selbst schließlich auch in die Kirche mussten? Oder weil man die Vorhaltungen der Oma fürchtet? Oder weil man den lieben Gott zur Disziplinierung braucht?

... oder weil der Glaube ein Geschenk ist

Überzeugender Beweggrund kann nur sein: Was mir geschenkt wurde, was mir Freude und Halt und Lebensinhalt gibt, das sollst auch du erfahren können! Weil mir an dir liegt und an deinem Lebensglück, kann ich doch nicht für mich behalten, was mein Leben trägt! So versteht sich schließlich auch der Auftrag Jesu, wie er im Evangelium steht: Ich sende euch! Schenkt weiter, was ihr empfangen habt. Umsonst habt ihr empfangen, umsonst sollt ihr geben!

anuell Kommando Formatierung KursivWie den Glauben weitergeben?

Nach dem Warum ist freilich die zweite Frage das Wie. Wie können wir in rechter Weise missionarisch sein - als Eltern für unsere Kinder, als Gemeinde und Kirche für die Menschen? »Wie den Glauben weitergeben an die kommende Generation«, war das Thema einer Diözesansynode vor Jahren. Aber man kann den Glauben eben nicht »weitergeben« wie ein fertiges Paket oder gar Rezept. Die französischen Bischöfe haben in einem Brief an ihre Gemeinden bewusst anders formuliert: Proposer la foi - »den Glauben vorschlagen«! Man kann den Glauben nicht weitergeben, man kann ihn vorschlagen. Aber reicht das?

Eine Einladung

Charles de Foucauld gilt als einer der großen missionarischen Gestalten des 20. Jahrhunderts, obwohl er keinen einzigen Menschen getauft oder aktenkundig bekehrt hat. Gläubig erzogen, in jungen Jahren religiös abgestumpft, ausgebildet auf der französischen Militärakademie, wegen Disziplinlosigkeit aus der französischen Armee entlassen, wurde er schließlich Gottsucher, Priester und Einsiedler in der Sahara-Wüste unter den Tuaregs. Über die Intention seines Lebens in der Wüste schreibt er: »Die Menschen, die Jesus fern sind, sollen ohne Bücher und ohne Worte durch den Anblick unseres Lebens (des Lebens der Christen) das Evangelium kennenlernen.« Einfach »präsent sein« mit seinem Leben: darin sah er seine Mission, ohne darauf zu spekulieren, was zählbar dabei herausspringt. Gottes Maßstab ist nicht die Statistik.

»Kommt und seht!«

Ja, missionarische Kirche sollen wir sein - als Eltern, als Gemeinde, als Christen. Nicht um Menschen für uns zu gewinnen, sondern sie auf Gottes Ruf in ihrem Leben aufmerksam zu machen und das Evangelium präsent zu machen durch unser Leben. Vielleicht bewegt Gott in einer Zeit schrumpfender Zahlen durch unser Leben mehr Menschen, als wir wissen - auch wenn unsere Kirchen nicht voller werden.

»Kommt und seht!«, sagt Jesus zu den Jüngern, die von Johannes auf ihn aufmerksam gemacht werden. Es ist zuerst und vor allem uns selber gesagt: Kommt und seht, was euch in der Gemeinschaft mit Christus - die wir jetzt feiern - geschenkt ist! Ausstrahlen kann nur, was uns selber erfüllt!

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du rufst Menschen in deine Nachfolge - auch heute. Wir bitten dich:

- Für die Kirche, die nach Wegen der Seelsorge heute sucht. (Christus, höre uns. - Christus, erhöre uns.)

- Für die Bischöfe in ihrer Verantwortung, für den Leitungsdienst in den Gemeinden zu sorgen.

- Für die Eltern, die ihren Kindern Wegweiser zum Glauben sein sollen.

- Für die Religionslehrer und Religionslehrerinnen in ihrem Auftrag, den Schülern Gründe des Glaubens zu erschließen.

- Für jede und jeden von uns, die wir füreinander Glaubenszeugen sind durch unser Leben.

Du findest Wege zum Herzen der Menschen. Auf dein Wort, Herr, lass uns vertrauen. Stärke unseren Glauben. Amen.

Thomas Keller

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