Zum Artikel

Bitte geben Sie zur Anzeige des gewählten Artikels Ihren Benutzernamen und Passwort ein.

Dienst am Wort 1/2018

Dritter Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

»Da sollten Sie etwas ändern!« - Wie umgehen mit einer solchen Aufforderung?

Beitrag zur Lesung

Einführung

Die Lesung aus dem Alten Testament und das Evangelium verbindet heute ein Stichwort, das wir nicht gerne hören. Es ist das Wort »Umkehr«.

Umkehr bedeutet, man muss die Richtung korrigieren, man hat sich verlaufen, man muss zurück zum Ausgangspunkt und neu anfangen. Für uns verbindet sich mit dem Stichwort Umkehr die Einsicht, dass es so nicht weitergeht, dass wir uns vielleicht geirrt haben. Umkehr klingt nach Fehler, Umweg und Misslingen. Damit tun wir Menschen uns nicht leicht.

Das alttestamentliche Buch Jona zeigt uns, dass Umkehr für Menschen schon immer ein Thema war. Manchmal fällt sie leicht und manchmal brauchen wir eine Weile, bevor wir bereit sind umzukehren.

Rufen wir Gott an um sein Erbarmen.

Predigt

Zum Text: Jona 3,1-5 (1. Lesung)

Wie reagieren Sie, wenn jemand zu Ihnen sagt: »Da sollten Sie etwas ändern!«? Vermutlich kommt es darauf an, wer so etwas zu uns sagt und warum er es tut. Ziemlich sicher ist allerdings, dass wir uns über diese Ansage nicht freuen. Wenn jemand nämlich meint, ich sollte etwas ändern, dann heißt das: In den Augen des anderen war mein Tun nicht in Ordnung, ungenügend oder ganz verkehrt. Wer hört das schon gerne?

An meiner Umgebung und auch an mir selbst kann ich genau beobachten, wie so ein Hinweis ankommt: »Da sollten Sie etwas ändern!« Mancher wird patzig und schießt gleich zurück: »Das musst gerade du sagen, wo du doch selber ...«

Andere sind beleidigt und reden nicht mehr miteinander. Sie hören den Hinweis nicht als Korrektur in einer bestimmten Angelegenheit. Sie fühlen sich gleich als ganze Person angegriffen und abgelehnt.

Wieder andere stellen sich taub und stumm. Sie glauben, wenn man Dinge übergeht, verschweigt, versteckt, dann verschwinden sie. Es ist ein bisschen wie bei einem kleinen Kind, das sich die Augen zuhält und meint, nun sei es unsichtbar. Sie ignorieren die Ansage, dass man etwas ändern sollte.

Ja, und dann gibt es noch Menschen, die ganz anders auf den Hinweis reagieren, etwas zu ändern. Diese Menschen wissen darum, dass sie nicht perfekt sind und dass es immer wieder nötig ist, sich zu korrigieren und zu entwickeln. Leute, die so denken, sind vielleicht sogar dankbar für den Hinweis, dass Veränderung nötig ist. Sie haben es selbst schon gespürt, aber bisher nicht in die Tat umgesetzt.

Jona ruft die Menschen in Ninive zur Umkehr

»Da sollten Sie etwas ändern!« - Solche Worte hört man auch vom Prophet Jona, als er die Stadt Ninive betritt. Jona lässt sogar den Konjunktiv weg. Er macht klar: »Ihr müsst etwas ändern!«, und zeigt die Konsequenzen auf, falls Ninive der Aufforderung nicht nachkommt. Jona bringt nicht nur einen dezenten Hinweis, dass Veränderung gut wäre, nein, er verkündet eine Drohbotschaft: »Noch vierzig Tage und Ninive ist zerstört!« Das lässt an Klarheit nichts zu wünschen übrig.

Jonas Botschaft ist eindeutig: Wenn die Menschen aus Ninive nicht innerhalb von vierzig Tagen einen neuen und besseren Weg einschlagen, ist es aus mit ihnen. Gott wird ihre Stadt zerstören.

Erstaunlich ist, was nun geschieht. Die Niniviten rufen ein Fasten aus, legen Bußgewänder an und wenden sich tatsächlich von ihren bösen Taten ab. Das geht so schnell und einfach, dass man sich wundern kann. - Ist das realistisch? Am einen Tag noch böse und am nächsten die Kehrtwende?

Wer ändert sich freiwillig?

Aus unserem Alltag wissen wir, dass wir oft erst dann etwas ändern, wenn es tatsächlich richtig ungemütlich wird, wenn es gar nicht mehr anders geht. Vorher halten wir lange und ausdauernd an unseren Meinungen und eingeübten Haltungen fest. Freiwillig ändert sich kaum jemand.

Das zeigt sich auch an der Meinung und Haltung des Propheten Jona. Von ihm erfahren wir im vorgelesenen Textabschnitt wenig. Wer sich aber die Mühe macht, die vier Kapitel des Jona-Buches zu lesen, der erfährt, dass dieser Prophet ein sehr störrischer, eigenwilliger Kandidat für das Amt des Propheten ist.

Jona, der ungewöhnliche Prophet

Normalerweise ist ein Prophet ein »berufener Rufer«, ein Sprachrohr Gottes unter den Menschen. Jona aber ist nicht das willige Werkzeug Gottes. Als Gott ihm zum ersten Mal den Auftrag gibt, nach Ninive zu gehen, um die Niniviter zur Umkehr aufzurufen, haut er kurzerhand in die Gegenrichtung ab. Statt nach Osten reist er nach Westen. Es beginnt eine Odyssee, die auf ein Schiff führt und durch einen Sturm. Auf dieser Reise wird Jona ins Meer geworfen und von einem Fisch verschlungen. Er muss sozusagen erst ganz unten ankommen, bevor er von dem Fisch wieder ans Land gespien wird.

Nachdem Jona all dies erlebt und erlitten hat, ergeht das Wort Gottes ein zweites Mal an ihn und es folgt die Episode, die wir heute als Lesung aus dem Buch Jona gehört haben.

Die Frage ist: Warum ist Jona vor dem Auftrag geflohen? Jona hat eine schlechte Meinung von den Menschen in Ninive. Sie repräsentieren die Großmacht Assur, denn Ninive ist die Hauptstadt dieses Großreiches. Jona glaubt, das sei eine Schurkenstadt. Er hält die Bewohner der Stadt für böse und gewalttätig und will gar nicht, dass sie Gnade erfahren.

Unser unwilliger Prophet weiß, dass sein Gott ein gnädiger Gott ist, und er missgönnt den Niniviten das Erbarmen Gottes. Deutlich wird dies insbesondere im vierten Kapitel des Buches Jona. Da haben sich die Menschen aus Ninive tatsächlich in Sack und Asche gekleidet und sind umgekehrt. Für Jona ist das kein Grund zur Freude, sondern zur Beschwerde. Und so beginnt das vierte Kapitel mit den Worten: »Das missfiel Jona ganz und gar und er wurde zornig« (Jona 4,1) und es folgt die Klage: »Ach, Herr, habe ich das nicht schon gesagt, als ich noch daheim war? Eben darum wollte ich ... fliehen; denn ich wusste, dass du ein gnädiger und barmherziger Gott bist ...« (Jona 4,2).

Unser unwilliger Prophet ist erst vor seinem Auftrag geflohen, und nun ist er verärgert über seinen Erfolg. Er verhält sich wie ein bockiges Kind, man möchte über ihn schmunzeln. Zugleich wird an ihm deutlich, wie schwierig Umkehr sein kann. Anders als die Menschen von Ninive fällt es Jona nicht leicht, seine Haltung und sein Verhalten zu ändern. Er entlässt die Menschen von Ninive nur ungern aus der Schublade »böse Menschen«. Dass sie auch anders können, will er gar nicht sehen. Er missgönnt ihnen die Gnade Gottes.

Das Buch Jona - eine Lehr-Erzählung

Das Buch Jona gibt keine historisch belegte Geschichte wieder. Sie ist vielmehr eine Lehr-Erzählung, die Grundthemen des Glaubens aufzeigt. Sie zeigt Jona als Schwarz-Weiß-Denker, als Mensch, der ein klares Freund-Feind-Schema im Kopf hat. Gottes Barmherzigkeit, seine Großzügigkeit auch gegenüber Fremden will ihm nicht in den Kopf.

Für Jona sind und bleiben die Niniviter Fremde, Menschen, die fremde Götter verehren und die ihm fremd sind. Er will keine Gnade für die Falschen. Es stört ihn, dass Gott nicht in denselben Schubladen denkt und handelt wie er.

Ein geduldiger und gütiger Gott

Und Gott, wie agiert er? Wenn man das ganze Buch Jona liest, hat man den Eindruck, dass Gott große Geduld mit seinem unwilligen Propheten hat. Es ist, als ruhe ein Lächeln auf diesem störrischen Menschen, der so gar nicht will wie der gnädige Gott. Doch Gott verwirft ihn nicht. Vielmehr konfrontiert er ihn immer wieder mit seinem störrischen Verhalten: bei Jonas Flucht, im Bauch des großen Fisches und im letzten Kapitel des Jona-Buches, wo Gott dem Jona erst einen Strauch wachsen lässt, damit der Schatten Jonas Ärger vertreibt. Sodann schickt Gott einen Wurm, der den Strauch wieder verdorren lässt. Und Gott fragt seinen Propheten, warum Jona Mitleid mit dem Busch habe und er, Gott, dürfe kein Mitleid mit den Menschen in Ninive haben. Mit dieser offenen Frage endet dann die Lehr-Erzählung.

Da sollten Sie etwas ändern - bei mir anfangen

»Da sollten Sie etwas ändern!«? - Das Buch Jona verdeutlicht wichtige Fragen rund um das Stichwort »Umkehr« und stellt unser Verhalten in Frage, wenn wir meinen, immer auf der richtigen Seite zu sein. Ausgehend von Jona, diesem störrischen Propheten, können wir uns fragen:

- Wo habe ich selber Umkehr nötig und ignoriere die Signale aus meinem Umfeld, die mich darauf hinweisen?

- Wo ergreife ich die Flucht vor unangenehmen Themen und warum tue ich das?

- Wen verdamme ich und gebe ihm keine Chance mehr auf Entwicklung und Veränderung?

- Glaube ich an Gottes Barmherzigkeit und Großzügigkeit? Kann ich Gottes Gnade anderen gönnen oder möchte ich sie - wie Jona - für mich reservieren?

So humorvoll und nett das Buch Jona daherkommt, es birgt gewichtige Themen. Jesus Christus knüpft daran an, wenn er seine öffentliche Verkündigung mit der Aufforderung beginnt: »Kehrt um und glaubt an das Evangelium!« (Mk 1,15).

Lassen wir uns von der heutigen Lesung aus dem Buch Jona inspirieren, wichtige Weichen zu stellen, und dort, wo es nötig ist, Kehrtwendungen zu vollziehen.

Fürbitten

Herr Jesus Christus, bei deinem ersten öffentlichen Auftreten verkündest du eine Frohe Botschaft und den Anbruch des Reiches Gottes. Zugleich rufst du die Menschen zur Umkehr auf. Wir bitten dich:

- Steh den Ratlosen bei, die vor einer schwierigen Entscheidung stehen, damit sie den richtigen Weg wählen.

- Hilf denen, die schuldig geworden sind, ihr Unrecht einzusehen und es wieder gut zu machen.

- Begleite die Suchenden, die an Gottes Gegenwart glauben möchten, aber unsicher sind, wo sie Gott finden.

- Erweiche die Starrsinnigen, die nur ihre Meinung gelten lassen und jedem Dialog ausweichen.

- Lass Einsicht wachsen, wo die Fronten verhärtet sind und man einander nur noch das Böse zutraut.

- Stärke in uns den Mut, auch unangenehmen Wahrheiten ins Gesicht zu schauen und die nötigen Korrekturen vorzunehmen.

Jesus Christus, du begleitest uns auf dem Weg durch die Zeit. Du traust uns zu, die richtigen Entscheidungen zu treffen. Wir danken dir für deine Gegenwart und dein Vertrauen in uns. Wir loben und preisen dich, jetzt und alle Tage unseres Lebens. Amen.

Beatrice Dörner

Zurück | Nach oben