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Dienst am Wort 1/2018

Vierter Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

Leben in der Nachfolge Jesu: umkehren und seine Frohe Botschaft voranbringen

Beitrag zum Evangelium

Einführung

Mit dem Kreuzzeichen haben wir am Beginn unseres Gottesdienstes einander kundgetan, dass wir uns zu unserem Herrn Jesus Christus dem Gekreuzigten bekennen. Wir wissen uns als Menschen, die von ihm etwas erwarten und unser Leben nach ihm ausrichten wollen. Gerade wenn wir heute in die Welt um uns oder gar in unsere globalisierte Welt mit ihren Krisen schauen, wird uns als Christen klar: Wir brauchen ihn, der uns rettet, der uns hilft, der uns einen Weg zeigt, wie es weitergehen kann.

So wollen wir ihn, unseren Herrn, jetzt um seine Nähe und sein Erbarmen bitten.

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du Freund der Menschen in Not und Elend.

Herr, erbarme dich.

Du Helfer in Angst und Bedrängnis.

Christus, erbarme dich.

Du Retter aus Verstrickung und Schuld.

Herr, erbarme dich.

Tagesgebet

Du unser Herr und Gott.

Wir sind deine geliebten Geschöpfe.

Schenk uns die Gnade, dich aus ganzem Herzen zu ehren, und gib uns die Kraft, alle Menschen hochzuschätzen.

Darum bitten wir durch Jesus Christus.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung

GL 270 »Kommt herbei, singt dem Herrn«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium

GL 53/1 »Hört auf die Stimme des Herrn« mit 53/2 (Psalm 95) und GL 175/2 »Halleluja« mit Vers

Deine Worte sind Geist und Leben.

Du hast Worte des ewigen Lebens.

(Joh 6,63b und 68b)

Gesang zur Gabenbereitung

GL 521 »Herr, gib uns Mut zum Hören«

Gesang zur Kommunion

GL 624 »Auf dein Wort, Herr, lass uns vertrauen«

Dankhymnus/Schlusslied

GL 385 »Nun saget Dank und lobt den Herren«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 1,21-28 (Evangelium)

Jesus predigt eindrucksvoll für alle Zuhörer bei seinem ersten öffentlichen Auftritt, aber es wird nichts über den Inhalt der Predigt berichtet. Stattdessen heilt seine Botschaft einen Besessenen. Geht dieses Geschehen also nur an einen psychisch Kranken oder gibt es eine Besessenheit vielleicht allzu oft auch bei uns?

Predigt

Dieses Markusevangelium muss ein genialer Verfasser geschrieben haben. Nicht einer, der das Leben Jesu von der Geburt bis zu Kreuz und Auferstehung möglichst wirklichkeitsgetreu überliefern wollte, sondern einer, dem es darum ging, zu zeigen, was dieser Jesus wollte und wie er unter den Menschen wirkte. Und so entstand eine völlig neue literarische Gattung - das Evangelium, zu Deutsch: die gute Nachricht. »Kehrt um und glaubt an das Evangelium«, steht wie ein Programmsatz am Anfang der Verkündigung Jesu.

Die Wirkung Jesu bei seiner ersten Predigt

Im heutigen Evangelium werden wir Zeugen seines ersten öffentlichen Auftritts in der Synagoge von Kafarnaum. Die Reaktion seiner Zuhörer: Sie sind betroffen von seinen Worten, von seiner Lehre. »Denn er lehrte wie einer, der (göttliche) Vollmacht hat, nicht wie die Schriftgelehrten.« Dabei steht überhaupt nichts da, was er eigentlich predigt. Es wird nur berichtet, dass seine Predigt das Erstaunen, ja die Bewunderung seiner Zuhörer auslöst. Aber sie löst auch die Reaktion eines Besessenen, eines Menschen, den ein unreiner Geist gefangen hielt, aus. Bei ihm belässt es Jesus nicht bei Worten, sondern er heilt ihn. Jesus lässt es also nicht bei Worten bewenden, die einfach nur Betroffenheit auslösen, sondern seine Rede wird gedeckt durch sein Tun. Die Wirkung Jesu beruht nicht allein auf seinen überzeugenden Worten, sein Reden in Vollmacht, sondern sein damit verbundenes Tun. Die Vollmacht Jesu zeigt und bewährt sich in seinem Tun. So tönt es im Chor der Anwesenden wieder: »Hier wird mit Vollmacht eine ganz neue Lehre verkündet. Sogar die unreinen Geister gehorchen seinem Befehl.«

Jesus heilt von Besessenheit

Hier noch ein kurzes Wort zu Besessenheit, damit Sie nicht unnötig an seinem Verständnis hängen bleiben: Nun wir wissen nicht genau, um was es sich in diesem Fall handelte. Besessen von bösen Geistern war damals schnell einer, der nicht in die damalige Gesellschaft passte, dessen mögliche Krankheit oder Andersheit nicht zu verstehen und zu erklären war. In unserem Falle ist es nur auffällig, dass der Besessene der Einzige ist, der sofort versteht, wer da spricht: »Ich weiß, wer du bist: der Heilige Gottes.«

Es muss also durchaus nicht sein, dass ein solcher Mensch, wie ihn Jesus in Kafarnaum heilte, heute in ein Zentrum für Psychiatrie eingeliefert werden würde. Es gibt durchaus auch andere Formen von Besessenheit, nicht nur damals, auch heute. Wenn wir uns in der weiten Welt umsehen, erblicken wir machtbesessene Staatenlenker, die nicht einmal vor militärischer Gewalt und Krieg zurückschrecken. Da gibt es Menschen und ganze Konzerne, die von der Gier nach mehr und immer mehr besessen sind, die keine Lüge scheuen und Vertrauen missbrauchen, um an ihr Ziel zu gelangen.

Ja, das ist so, aber sind wir selber denn frei von jeglicher Besessenheit?

Unsere Besessenheit heute?

Wenden wir es doch ein wenig auf uns heute. Was könnte denn unsere Besessenheit heute sein, in Zeiten von kriegerischen Auseinandersetzungen, von weltweiten Flüchtlingsdramen, von Finanz- und sonstigen Krisen, von Aufdeckung von immer neuen Skandalen? Könnte unsere Besessenheit heute nicht sein:

- dass wir immer mehr haben, besitzen wollen,

- dass wir immer größer, besser sein wollen,

-

dass wir immer der Beste, der Schlaueste sein wollen, ja scheinbar sein müssen.

Was könnte dann unsere Heilung sein?

Verstehen Sie mich nicht als weisen Ratgeber. Ich weiß dafür und für die ganzen Probleme, die im Augenblick wie eitrige Geschwüre aufbrechen, auch kein Patentrezept, aber ich bin überzeugt, der erste Schritt wäre, sich von Jesus heilen zu lassen. Er ist es, der dem bösen Geist gebietet: »Schweig und verlass ihn!« Also zu unserer Besessenheit zu stehen und uns der Heilung bedürftig zu zeigen. Jesus will auch uns betroffen machen und uns heilen von unserer Besessenheit, von unserer Besetztheit. Das ist die gute Nachricht.

Und als Zweites wäre notwendig, was viele Kranke, die Jesus damals heilte, getan haben: sich auf die Spuren seiner Nachfolge zu begeben. Also zum Beispiel, indem wir Werte des menschlichen Zusammenlebens zu leben versuchen wie

- gegenseitige Wertschätzung,

- miteinander teilen,

- Solidarität mit denen, die das Leben noch weniger verwöhnt als uns,

- so altmodische Tugenden wie Ehrlichkeit, Wahrhaftigkeit, ja Demut.

Ein Leben in der Nachfolge Jesu zu leben, ist nicht leicht, denn es fordert von uns, dass wir umkehren und die Frohe Botschaft Jesu Christi voranbringen - nicht in schönen Reden, sondern in der Tat und nicht auf Kosten anderer. Jesus stehe uns bei, dass es uns gelingt.

Fürbitten

Herr, dein Wort ist erfüllt von göttlicher Vollmacht. Unsere Worte sind manchmal eher leer und nichtssagend. Zu dir kommen wir mit unseren Bitten und Anliegen:

- Gib unserem Glauben Geist und Leben.

- Lass uns in unserem Glauben nicht stehen bleiben bei Regeln und Gesetzen, sondern die Kraft deiner Nähe erfahren.

- Lass Menschen, die einen starken Nein-Panzer um sich gebaut haben, jemandem begegnen, der Zugang zu ihrem Herzen findet und sie herausholen kann.

- Lass uns Christen nicht zu Nachlassverwaltern einer Vergangenheit werden, sondern zu Wegbereiter der Zukunft.

- Schenke unseren lieben Toten ewigen Frieden bei dir.

Herr, lass uns ganz werden in deiner Gegenwart, darum bitten wir dich durch Jesus Christus, unsern Herrn und Bruder. Amen.

Richard Pschibul

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