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Dienst am Wort 1/2018

Vierter Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

Besinne dich auf das Heil deines Lebens und lebe aus deiner wahren Identität

Beitrag zur Lesung

Einführung

Wenn wir zusammen Messe feiern, tun wir das, was Jesus von seinen Jüngern wollte: Brot brechen und teilen, erkennen, dass dies Gaben Jesu sind, seine Person und sein Leben ganz den Menschen gegeben, ohne für sich etwas zu behalten. Dadurch erinnern wir uns seiner und danken durch diese Feier dafür.

Predigt

Zum Text: Dtn 18,15-20 (1. Lesung)

Erinnerung und Mahnung

Auf Reisen bin ich oft in Städten und Ortschaften auf Denkmäler gestoßen - für Fürsten, für besondere Ereignisse, zum Gedenken auch an die deutsche Teilung etwa und vor allem auf Kriegerdenkmäler. Man fühlt sich zu einem Wortspiel herausgefordert: Denkmal - denk mal! Warum sind diese Monumente denn da? In irgendeiner Weise jedenfalls war es denen, die sie errichtet haben, wichtig. Und sie meinten wohl, dass es für ihre Mitbürger auch wichtig sei, sie in ihren Lebensräumen zu haben. Das Denkmal soll uns zum Nachdenken und zum Erinnern anregen. Zum Beispiel das Denkmal der deutschen Teilung in Mödlareuth, wo die Teilung eine gewachsene soziale Einheit zerschnitten hatte. Eine Bürgerschaft, eine staatliche oder religiöse Gemeinschaft, die sich nicht der wichtigen Dinge ihrer Geschichte, ihrer Herkunft und ihrer Schicksale erinnert, verliert ihre Identität, das heißt ihr Selbstverständnis.

Deuteronomium

Dieser Gedanke und Anlass liegt auch dem Buch Deuteronomium zugrunde, von dem die heutige erste Lesung stammt. Mose hat das Volk Israel aus Ägypten bis zur Ostseite des Jordan geführt; bis dorthin, wo das Volk den Fluss überqueren sollte ins »gelobte Land« hinein. Er selber wird diesen Weg nicht mehr mitgehen. Er weiß von Gott, dass für ihn der Weg zu Ende ist. Aber eine Sorge trägt er noch mit sich. Die nämlich, dass das Volk auf den vergessen würde, der die Befreiung aus dem Land der Knechtschaft ermöglicht hat, auf Gott und auf den Bund mit ihm. Vergessen auf die Heilstaten Gottes. Diese Sorge war berechtigt, wie wir heute wissen. Denn im Verlaufe seiner Geschichte im »Gelobten Land« ist dies eingetreten. Und so haben die Tempel-Theologen mit den Propheten im Hintergrund dieses Buch weitergeschrieben, um das Volk wachzurütteln, aufzurütteln. Aufgrund des Fehlens einer Führungspersönlichkeit, wie Mose es war, waren viele zu heidnischen religiösen Praktiken abgefallen. Mose war mitten unter seinem Volk einer mit einem Gesicht, der Gottes Wort und Botschaft vermittelnd zu den Israeliten trug. Aber dann? Die Völkerschaften, die das Land der Verheißung mit Gottes Volk zusammen teilen, leben nach eigenen religiösen Bräuchen. Sie haben eigene Götter. Diese Götter und die heidnische Religiosität der Mitbewohner war anschaulich, handgreiflich und schien auf die aktuellen Wünsche und Süchte der Menschen einzugehen.

Vergangenheit, Gegenwart?

Ich merke, wenn ich so spreche, dass ich in meinen Gedanken mehr und mehr abgleite in unsere Gegenwart hinein und damit auch an den Schluss der heutigen Lesung. Mose übermittelt eine Warnung Gottes. Die Warnung vor selbst ernannten Propheten, die nicht eine Botschaft von Leben und Heil künden, sondern sich anmaßen, ihren Mitmenschen Gültiges, Heilbringendes, Vorteilhaftes für ihr Leben zu künden. Die umfangreiche Werbung für Waren und Ideen auf allen Kanälen möchte uns tagtäglich einreden und davon überzeugen, was wir nicht alles unbedingt für unser Leben bräuchten, das uns dann Heilung, Gesundheit, Freude, Erfolg, Vergnügen und was nicht noch alles brächte. Außerdem haben das soundso viele unserer Mitmenschen auch, also, worauf warten sie noch. Und die Überredungsindustrie ist auf dem neuesten Stand aller einschlägigen Wissenschaften. Wer hält noch ein und denkt noch nach, wenn er zum Beispiel nur »gefällt mir« oder »gefällt mir nicht« drücken muss, oder die Schaltfläche: »In den Warenkorb«. Wer nimmt noch und wie weit die wirkliche Wirklichkeit wahr, wenn er zumeist nur noch mit gesenktem Kopf auf sein Smartphone blickend in seiner Welt präsent ist? Denken Sie bitte nicht: »Ach ja, wieder die Masche mit der Werbung«. Vor nicht langer Zeit konnte man in einer Tageszeitung lesen: »Den Deutschen geht es wirtschaftlich gut wie nie. Die Einkommen steigen, Arbeitslosigkeit und Inflation sind niedrig. Dennoch sind die Bundesbürger extrem besorgt. Besorgt um ihre Identität.« Also besorgt um das Selbstverständnis. Offensichtlich ist das weit wichtiger für das Leben als die anderen Dinge. Wer bin ich in dieser Welt, wie soll ich mich verstehen?

Selbstverständnis und Ausblick

Wer die Israeliten in ihrer Welt sind und wie sie sich verstehen dürfen, daran erinnert das Buch Deuteronomium, daran gemahnt Mose vor dem Ende seiner Aufgabe. Sie sind Menschen, deren Elend in Ägypten Gott gesehen und deren Klage er gehört hat. Sie sind ein Volk, denen er eine Führungsgestalt gegeben hat, die sie auf den oft unwegsamen Wegen sicher leitet. Sie sind Menschen, mit denen Gott sich fest verbunden hat, die ihm lieb und wert sind. Sie sind ein Volk mit einer Aufgabe für ihre Mitmenschen und mit einer Hoffnung über das Irdische hinaus. Darum wird er noch einmal jemanden senden, der ihm, Mose, ähnelt. »Einen Propheten wie dich will ich ihnen mitten unter ihren Brüdern erstehen lassen. Ich will ihm meine Worte in den Mund legen und er wird ihnen alles sagen, was ich ihm auftrage« (Dtn 18,18).

Das hat sich in Jesus Christus erfüllt. Er will uns nichts aufschwätzen, nichts verkaufen, nicht am Leben hindern, im Gegenteil. Er weist uns tragfähige Lebenswege. Er zeigt uns auf, wie wir uns vor Gott verstehen dürfen, wer wir wirklich sind, worauf wir eine begründete Hoffnung haben dürfen. An seinem Leben sehen wir, dass auch ein schlimmes Schicksal uns nicht von einer Vollendung des Lebens abbringen wird.

Darum lesen wir jeden Sonntag in der Eucharistie das Evangelium, Gottes Botschaft durch Jesus an uns. In seiner Person dürfen wir den Weg zum wirklichen Leben erkennen. Und mit Staunen dürfen wir hören, dass wir Gottes geliebte Menschen sind. Ein solches Selbstverständnis ist nicht zu überbieten. Erinnern wir uns daran!

Fürbitten

Herr Jesus Christus, du hast gesagt: Bittet und ihr werdet empfangen, klopft an, und es wird euch aufgetan. Darum rufen wir:

- Für die Kirche: dass sie deine Botschaft bescheiden, aber furchtlos in den Umständen unserer Zeit verkünde. (Christus, höre uns. - Christus, erhöre uns.)

- Für die heranwachsende Generation: dass sie die Botschaft Christi unter all den aufdringlichen Stimmen und Parolen unserer Welt vernimmt.

- Für alle, die dem Wort Christi vertrauen: dass sie gegen alle Widrigkeiten unserer Welt die Hoffnung auf das Reich Gottes bewahren.

- Für uns selbst: dass wir mit Gottes Hilfe versuchen, uns in Menschlichkeit nach dem Wort und Leben Jesu Christi zu erneuern.

Herr Jesus Christus, im Vertrauen auf dich gewinnen wir Leben und Zukunft. Dank sei dir und Ehre, heute und bis in Ewigkeit. Amen.

Johannes Jeran SJ

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