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Dienst am Wort 1/2018

Fest der Darstellung des Herrn

Lesejahr A - B - C

Ein Naturgesetz erklärt die Erlösung

Beitrag zur Lesung

Einführung

Mariä Lichtmess ist das Fest, das den länger werdenden Tagen mit Lichtern entgegengeht. Anlass ist die Darbringung des kleinen Jesus im Tempel. Der Junge muss nach dem Gesetz des Ersten Bundes ausgelöst werden. Er gehört als Erstgeborener eigentlich Gott. Das Opfer kleiner Leute, wie es im Lukasevangelium nachher heißen wird, steht stellvertretend für die Weihe des Kindes und den späteren Tausch, der die Heilsgeschichte revolutionieren wird. Wenn Jesus den Bund mit Gott im Abendmahl und in seiner Hingabe am Kreuz Jahre später grundlegend erneuern wird, stellt dies alles bisher Gewesene auf den Kopf und reinigt das wahre Anliegen aller Religion - Hingabe an Gott und Hingabe an die Mitmenschen - auf unübertreffliche Weise.

Aber jetzt lassen Sie uns wie Jesus mit seinen Eltern zum Altar ziehen, um Gottes Gabe an uns anzunehmen.

Predigt

Zum Text: Mal 3,1-4 (1. Lesung)

Das Buch Maleachi beschreibt einen alltäglichen Zusammenhang. Etwas soll gereinigt werden. Denken wir ruhig ans Putzen und Waschen. Wir haben die Bilder aus der Waschmittelwerbung im Kopf, wo ein Hemd in einen Eimer mit Waschlauge eingetaucht wird. Eine Zeitrafferuhr wird eingeblendet und das Hemd wird strahlend sauber wieder herausgezogen. Die simple Botschaft: Zuerst ist der Schmutz in der Kleidung, dann in der Lauge. Chemisch gesehen steckt dahinter ein Prozess, den man so beschreiben kann: Die chemischen Stoffe des Waschmittels verbinden sich mit dem Schmutz auf molekularer Ebene. Die Fasern der Kleidung geben die Schmutzpartikel ab, weil dem Schmutz etwas angeboten wird, mit dem er sich gerne verbindet. Fast jeder Waschvorgang, auch der des Händewaschens, beruht auf diesem Prinzip. Ein ganz ähnliches Phänomen tritt uns in der Hochofenchemie entgegen. Wenn man pures Metall haben möchte, wirft man nicht einfach Erzbrocken in ein Becken und macht es heiß. Um Silber oder auch Eisen zu gewinnen, werden Kohle und Erz gemischt und dann entzündet. Die Kohle liefert beim Verbrennungsvorgang nicht nur die Energie, sondern verbindet sich auch mit den Stoffen im Erz, die man nicht haben will. Es entstehen Schlacken, die entsorgt werden. Übrig bleibt das reine Metall. Wiederum braucht man einen weiteren Stoff wie bei der Lauge vorhin, der sich mit dem nicht gewollten Teil verbindet. Lauge wie Schlacke sind nach dem chemischen Vorgang des Waschens oder des Verhüttens wertlos und werden weggeworfen.

Die Theologie der Reinigung

Um diese Vorgänge muss man wissen, wenn man den Autor des Buches Maleachi verstehen will. Ihm war eigentlich am wahren und würdigen Gottesdienst gelegen. Wo wir als Christen die Liturgie des Gotteslobes pflegen, aufgrund Gottes großer Taten an uns, so war in der Zeit des Ersten Bundes die würdige und korrekte Darbringung eines Opfers wesentlich für den Gottesdienst und die Religionsausübung. Um Gott einen Dienst zu erweisen, gab man entsprechend genau festgelegter Vorschriften eine Gabe im Tempel ab, die dort von den Priestern zubereitet und Gott als Opfer dargebracht wurde. Dieser Vorgang konnte aber gestört werden. Entweder war das Opfer unrein und damit nicht gültig für die weitere Verwendung oder der ganze Kult war unrein, weil Priester oder die heiligen Handlungen durch irgendetwas korrumpiert waren. Maleachi stellt diesen Zustand fest und klagt an. Er ruft zur Umkehr. Doch statt seinem prophetischem Wort Gehör zu schenken, werfen ihm die getroffenen Betroffenen vor, Gott lohne die Treue ja eh nicht, da er nicht gerecht sei. Er würde ja nicht eingreifen. Ein Argument, das scheinbar von allem entbindet: von der Treue, von der Pflicht zu Heiligung und Reinheit und damit auch von Gott selbst.

Die große Reinigung

Einem solchen verkehrten Zustand kann man nicht mit Reformen beikommen. Etwas Grundsätzliches muss geschehen. Gott selbst wird zum Gericht erscheinen. Er sendet zunächst einen Boten. Das ist eine klare Verheißung! War es Johannes der Täufer, wie viele vermuteten? Der letzte aller Propheten? Die ersten Christen mussten feststellen, dass es letztlich Jesus selbst war, der hier in den Schriften des Ersten Bundes angedeutet wurde. Und jetzt kommt die Chemie ins Spiel. Um uns zu erlösen, um die große grundlegende Tiefenreinigung des erwählten Volkes und möglicherweise der ganzen Menschheit zu erreichen, muss ein Stoff in das Reinigungsbad oder in das Feuer des Hochofens eingebracht werden, der sich mit dem Schmutz der Sünde elementar verbindet unter Preisgabe seiner eigenen Existenz. Das ist der Christus. Im Gesang der Osternacht wird es später heißen: Um den Knecht zu erlösen, gabst du den Sohn dahin! Und: Glückliche Schuld, welch großen Erlöser hast du gefunden! Und: Wahrhaft heilbringende Sünde, du wurdest uns zum Segen, da Christi Tod dich vernichtet hat. Der Prophet Maleachi hat um diesen Zusammenhang gewusst. Von einem göttlichen Boten wusste er auch. Den Christus aber kannte er nicht. Doch dieser ist das einzig reine Opfer, der einzig gültige Priester am einzig von Gott akzeptierten Altar.

Keine harmlose Geschichte

Wenn im Evangelium von Lichtmess das Knäblein in den Tempel gebracht wird, um ihn auszulösen vom göttlichen Anspruch mit ein paar Täubchen, wirkt das fast niedlich und hat etwas Harmloses. Aber hier gibt Maria ihren Sohn und Gott gibt seinen Sohn an uns zurück, der uns später unter Hingabe seines Lebens erlösen wird. Das Böse und die Gewalt haben sich an ihm abgearbeitet. Dass sein Tod sinnvoll sein könnte, ahnte Jesus nur. Seinen Jüngern macht er vor dem Zugriff auf ihn Mut mit dem Gleichnis vom Weizenkorn, das nur im Sterben Leben oder Nahrung schenken kann. Aber das ist eine andere Geschichte.

Fürbitten

Ewiger, du unser Gott. Wir sind dankbar für Jesus, das Kind der Maria, deinen Sohn auf Erden. Seinetwegen bitten wir um dein Erbarmen und rufen dich an:

- Hilf, dass unser Dank an diesem Fest der Darstellung des neugeborenen Jesus im Tempel aus erfülltem Herzen kommt. Wir rufen dich an: (Kyrie eleison.)

- Bewahre uns, dass wir keine Welt erbauen, die dich nicht kennt. Wir rufen dich an:

- Wir bitten für die, denen wir in Liebe und Achtung verbunden sind, und für die, denen wir lieber ausweichen. Wir rufen dich an:

Gott, ewiger Vater, du gibst, dass wir miteinander etwas beitragen können für eine neue Welt, für ein Leben in Zuversicht, für eine bewohnbare Erde. Unter deinem Segen lass uns leben alle Tage. Amen.

Bernd Herbinger

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