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Dienst am Wort 1/2018

Fünfter Sonntag im Jahreskreis

Lesejahr B

Ist Jesus das für mich gültige Lebensmodell?

Beitrag zum Evangelium

Einführung

»Gut ist es, unserem Gott zu spielen; schön ist es, sein Lob zu singen. Er heilt, deren Leben zerbrochen ist, verbindet ihre schmerzenden Wunden.«

Mit diesen Sätzen aus dem Psalm 147 lassen wir uns heute einladen, Gottes Lob zu singen und seine heilende Nähe zu erfahren. Jesus Christus hat uns um sich versammelt. Er ist unser Herr und Meister. Zu ihm rufen wir:

Kyrie-Ruf

Herr Jesus Christus, du sprichst das Wort, das tröstet und befreit.

GL 156 »Kyrie, Kyrie eleison«

Du heilst mit deiner berührenden Nähe.

GL 156 »Kyrie, Kyrie eleison«

Du schenkst unserem Leben Orientierung.

GL 156 »Kyrie, Kyrie eleison«

Tagesgebet

Gott, unser Vater,

wir gehören dir. Du hast Erbarmen mit uns. Du bist unsere Hoffnung.

Bleibe bei uns, wenn wir in Not und Gefahr sind, und halte deine schützende Hand über uns.

Darum bitten wir durch Jesus Christus, der in der Einheit des Heiligen Geistes mit dir lebt und wirkt.

Liedvorschläge

Gesang zur Eröffnung

GL 422,1-3 »Ich steh vor dir mit leeren Händen, Herr« oder

GL 389,1-2.4 »Dass du mich einstimmen lässt«

Antwortgesang mit Ruf vor dem Evangelium

GL 78/1 »Jerusalem, rühme den Herrn« mit 78/2 (Psalm 147a) und GL 174/7 »Halleluja«

Gesang zur Gabenbereitung

GL 184 »Herr, wir bringen in Brot und Wein«

Gesang zur Kommunion

GL 456 »Herr, du bist mein Leben« oder

GL 846 (Diözesanteil Freiburg und Rottenburg-Stuttgart) »Da wohnt ein Sehnen tief in uns«

Dankhymnus/Schlusslied

GL 452 »Der Herr wird dich mit seiner Güte segnen«

Vorüberlegungen

Zum Text: Mk 1,29-39 (Evangelium)

Nach der Berufung der ersten Jünger beginnt Jesu öffentliches Wirken. Er lehrt in der Synagoge in Kafarnaum und heilt einen Besessenen. Daran schließt sich das heutige Evangelium an, das aus drei Perikopen besteht: einer konkreten Krankenheilung, einem Sammelbericht über die Heilung von Kranken und Dämonenaustreibungen und einer Schilderung der Situation Jesu - Rückzug in die Einsamkeit und Neuausrichtung im Gebet.

Damit wird Jesu Sendung, als Messias Zeichen des Heils zu vollbringen und das Evangelium zu verkünden, dargestellt und es wird die große Wirkung, die sein Auftreten von Anfang an begleitet, hervorgehoben. In der Predigt soll die Person Jesu mit seiner umfassenden Wirkung zum Tragen kommen und deshalb wird weniger auf Details der einzelnen Perikopen eingegangen. Jesus ruft auf zur Entscheidung für oder gegen ihn. An ihm scheiden sich die Geister. Ist er für mich das gültige Lebensmodell, dem ich mich gläubig anvertrauen kann?

Das scheint mir die drängendste Frage in unserem heutigen Umfeld zu sein.

Predigt

Was ist mir heilig?

Auf die Frage »Was ist mir heilig?« haben junge Erwachsene unter anderem geantwortet: »Die Gesundheit, meine Freiheit, meine Familie und Freunde.« Ist das für Sie überraschend? Es waren auch andere Antworten dabei, wie zum Beispiel: das Smartphone, Kuscheltiere oder andere Erinnerungsstücke oder der Koran und Mohammed. Die Bibel oder Jesus wurden nicht erwähnt, auch keine Heiligen.

Jesu Wirken in Kafarnaum

Schauen wir auf das heutige Evangelium, so erleben wir Jesus am Beginn seines öffentlichen Wirkens. Zuvor hat er in der Synagoge in Kafarnaum gelehrt, dann ging er mit Simon nach Hause. Er trifft auf dessen kranke Schwiegermutter und heilt sie. Sie bedankt sich damit, dass sie die Männer bewirtet. Somit ist auch die Heilung eindeutig bestätigt. Am Abend des Sabbats, nach Sonnenuntergang, wo es den Juden auch wieder erlaubt war, Tätigkeiten auszuführen, bringen sie viele Kranke und von unreinen Geistern Besessene zu ihm. Jesus heilt sie und treibt die Dämonen aus. Damit setzt er Zeichen für das Heil, das Gott den Menschen schenkt. »Das Reich Gottes ist nahe, kehrt um und glaubt an das Evangelium«, so fasst der Evangelist Markus zu Beginn seines Evangeliums den Auftrag Jesu zusammen.

Das Volk ist natürlich begeistert von Jesu Taten, ebenso seine Jünger. Doch folgen sie auch seiner Lehre? Wie steht es mit der Umkehr und dem Glauben? Jesus verbietet den Dämonen, über ihn zu reden. Warum? Die Menschen sollen selber zur Erkenntnis kommen. An Jesus und seiner Botschaft scheiden sich die Geister. In Jesus ist Gott selbst am Werk, in ihm zeigt sich die Liebe Gottes. Seine Nähe und liebende Zuwendung kann Menschen heilen und von bösen Geistern befreien.

Am frühen Morgen zieht sich Jesus zurück. Er hält in der Einsamkeit Zwiesprache mit seinem Vater. Ist er noch auf dem rechten Weg? Ist das so gut, wie er handelt? Begreifen die Menschen seine Botschaft? Da kommen die Jünger und wollen ihn zurückholen mit dem Argument: Die Menschen suchen dich! Doch Jesus sieht die Gefahr, dass das Volk und auch seine Jünger ihn nicht wirklich verstehen und nur am Äußerlichen hängen bleiben, an der Beseitigung der irdischen Nöte und nicht mehr. Er spürt, dass er seinem Auftrag treu bleiben muss. Und dieser drängt ihn weiterzugehen, von Kafarnaum aufzubrechen, um auch an anderen Orten sein Evangelium zu verkünden. So trifft er die Entscheidung weiterzuziehen.

Der christliche Glaube als Lebensgrundlage

Dort, wo Jesus auftritt, gerät die Welt in Bewegung. Aus Unheil wird Heil. Es wird aber auch deutlich, woraus Jesus seine Kraft und Orientierung bezieht: aus der Zwiesprache mit seinem Vater im Gebet. Kehren wir zurück zu unserem Ausgangspunkt: Was ist mir heilig? Was ist mir unverzichtbar? Die Sehnsüchte der Menschen haben sich gegenüber der Zeit Jesu nicht wesentlich verändert: Gesundheit, Freiheit, Verbundenheit mit Familie und Freunden.

Warum fällt es uns so schwer, die Antwort auf unsere Sehnsüchte bei Jesus zu suchen? Unser Heil von ihm zu erwarten? Das Angebot an Antworten, Lebensweisen und Sinnentwürfen ist vielfältiger geworden. Durch Internet, Globalisierung und Einwanderung erfahren wir mehr von anderen Kulturen, Denkrichtungen und Religionen. Die beherrschende Rolle der Naturwissenschaften hat unser Weltbild verändert. Wir brauchen die Religion nicht mehr als Erklärungsmodell für viele Phänomene. Was bleibt dann noch übrig? Es geht um die tieferen Schichten unseres Menschseins und um die Frage: Wie wollen wir leben und unser Zusammenleben gestalten? Welche Antworten geben wir auf die folgenden Fragen?

Ist der christliche Glaube meine Lebensgrundlage? Glaube ich an einen Schöpfer, der mich ins Leben gerufen hat und dem gegenüber ich mich verantworte? Ist Jesus das Modell des Lebens, dem ich folge? Kann ich mich ihm anvertrauen, seine Liebe annehmen und eine Beziehung zu ihm wagen? Bin ich zumindest offen dafür?

Jesus als Lebensmodell

Jesus fand in der Einsamkeit, im Gespräch mit Gott, seinem Vater, Antwort auf seine Fragen. Er erkannte in der Stille des Gebetes, dass er seinem eigentlichen Auftrag treu bleiben muss, das Evangelium weiterzuverkünden. Wenn wir uns dieses Verhalten Jesu zum Vorbild nehmen, dann dürfen auch wir mit unseren Fragen und Wünschen uns direkt an Gott wenden.

Gott in der Stille und Einsamkeit zu suchen, heißt, sich zurückzuziehen aus der Betriebsamkeit des Alltags. Das ist eine Herausforderung für uns verplante, umtriebige Zeitgenossen. Aber wir werden spüren, dass es uns guttut und einem erfüllten Leben näherbringt.

Madeleine Delbrêl (1904-1964) war zunächst eine überzeugte Atheistin. Durch die Begegnung mit jungen, überzeugten Christen entsteht in ihr die Frage, ob Gott vielleicht doch existiert. Sie setzt dann ein Wort der hl. Teresa von Avila um, das diese jungen Christen einmal erwähnt hatten: »Wenn du nicht weißt, ob es Gott gibt, dann knie jeden Abend nieder und bete fünf Minuten zu ihm. Dann wird es sich herausstellen.« Sie entschloss sich zu beten und machte dabei die überwältigende Erfahrung: Gott lebt! Man kann ihn lieben, wie man eine Person liebt! Gott ist ein Du!

Ein kluger Rat - vielleicht auch für uns?! oder zum Weitererzählen!

Fürbitten

Lasst uns beten zu Gott, unserem Vater. Bei ihm suchen wir Halt und Hilfe:

- Wir beten für alle Christen: dass sie die Botschaft des Evangeliums mutig verkünden.

- Wir beten für die Völker unserer Erde: dass sie nicht aufhören, nach Wegen des Friedens und der Gerechtigkeit zu suchen.

- Wir beten für alle Kranken: dass sie Jesus Christus als Heiland erfahren.

- Wir beten für alle Menschen, die sich unfrei fühlen und von bösen Geistern geplagt: dass sie Gottes befreiende Macht spüren dürfen.

- Wir beten für uns alle: dass wir uns die Zeit und den Raum nehmen, uns zurückzuziehen aus dem Trubel des Alltags, um dir nahe zu sein.

Gott, wir vertrauen auf deine Hilfe und deine Nähe, die sichtbar geworden ist in deinem Sohn. Stärke unsere Bereitschaft, deine Liebe weiterzugeben, und erhöre unsere Bitten. Amen.

Elisabeth Beyer

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